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 Züglete für Kornnatter, Bartagame und Co.

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Bearded Dragons
kleiner Barti
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BeitragThema: Züglete für Kornnatter, Bartagame und Co.   Do 11 Sep - 17:12

Die beiden Zwergbartagamen verstehen die Welt nicht mehr.
Caroline Bossert



Warum ist sie auf einmal so klein geworden? Verwirrt stupsen sie ihre Nasen gegen den Plastikdeckel ihres Umzugsbehälters. Es lässt sich nichts daran ändern. Für die nächsten paar Stunden ist dieser ihr Zuhause. Auch den Schlangen ist das Treiben nicht geheuer. Sie haben sich in ihre Tontöpfe und Kokosnussschalen zurückgezogen. Nur eine kleine orangefarbene streckt neugierig ihren Kopf aus der Schale hervor und schaut sich irritiert um.

* * *

«Für die Tiere ist der Umzug ein Stress», erklärt Petra Maurer. Auch wenn das Team alles tut, um diesen für die Tiere möglichst klein zu halten. «Hilfreich sind beispielsweise abgedunkelte Boxen. Dann glauben die Tiere, es sei Nacht und schlafen», führt eine Helferin aus. Dieser Tag ist aber nicht nur für die Tiere stressig. Auch die beiden Besitzerinnen des Tierhandels und der Auffangstation Casa Reptilica, Petra Maurer und Nicole Bühler sowie ihre 15 Helfer, finden die Hektik gar nicht lustig. Schliesslich müssen an diesem Tag 20 Schlangen, 50 Echsen, 300 bis 400 Nagetiere, Tausende Insekten und tonnenweise Möbel, Gestelle, Regale, Käfige, Terrarien, Bücher und Terrarienzubehör wie Höhlen und Verstecke, Baumstrünke, Pflanzen, Sand und andere Bodensubstrate von der Höremer Hofstrasse in die Wehntalerstrasse überführt werden. Und dies bei sengender Sonne und schwülen 30 Grad. Mühsam, doch Regen wäre noch mühsamer, meint Maurer und fügt an: «Wenigstens spüren die Tiere nichts von der Hitze. Sie sind in den Transportbehältern aus Styropor gut isoliert.»

* * *

Der Umzug ist kein leichtes Unterfangen. Doch er muss sein. «Die Nachbarn haben sich über den Gestank der Nager beschwert. Deshalb müssen wir hier fort», erklärt Maurer. Auch sei ab und zu eine Maus ausgebüchst, was für viel Aufregung gesorgt hat. Maurer vermutet zudem, dass Vorurteile im Spiel waren. «Reptilienfans werden halt immer noch als ‹Exoten› angeschaut.» Dabei kenne sie sogar topseriöse Bank- und Werbeleute, die zu Hause Echsen halten. «Die Kundschaft ist mittlerweile breit gefächert. Reptilienfans gibt es in allen Gesellschaftsschichten», führt die gelernte Tierpflegerin aus.
Und so wird in der alten Lokalität ein Regal nach dem anderen abgebaut. Wehmut schleicht sich bei niemandem ein. Die neue Unterkunft ist schliesslich viel schöner und grösser. Den Futternagern steht ein riesiger Keller zur Verfügung, der über eine topmoderne Lüftungsanlage verfügt. «Über den Gestank wird sich bestimmt niemand mehr beklagen», meint Maurer lachend. Eine Buschschwanzrennmaus scheint den neuen Komfort allerdings nicht zu schätzen. Aus lauter Sehnsucht nach den alten vier Wänden ist sie in der Nacht geflüchtet und hat sich nun unter dem Bürotisch versteckt. Doch die Abtrünnige wird bald eingefangen und wie alle anderen in eine Box gesteckt.

* * *

Kurz nach 17 Uhr kann für die Tiere die grosse Reise ins neue Heim beginnen. Zwei Helfer laden die Behälter in den Jeep ein. Tokee, der grosse Gecko, fühlt sich dabei überhaupt nicht wohl. Wütend über die Störung rennt er in der Box herum. Seinen Frust bringt er durch orangefarbene Tupfer auf der Haut zum Ausdruck.
Nach einer kurzen Autofahrt ist die Reise bereits zu Ende. Etwas müssen die Tiere aber noch in ihrer Box ausharren. Ihre Terrarien sind noch nicht fertig aufgebaut und eingerichtet. «Wir sind noch nirgends!», ärgert sich Nicole Bühler. Das Licht sei im Moment das grösste Problem. Die Reptilien und Amphibien bräuchten alle spezielle UV- und Wärmelampen. Doch es seien viel zu wenig Steckdosen vorhanden. Entnervt schmeisst sie ein Kabel zu Boden.
Im Keller kümmert sich unterdessen Praktikantin Linda Krebser um die Nager. «Sie haben durch die Unruhe an Gewicht verloren. Ich muss dafür sorgen, dass sie sofort Futter und Wasser erhalten», erklärt sie. Gefährlich sei der Umzug besonders für die Jungtiere gewesen. Wenn Mäuse- und Rattenmütter zu viel Stress hätten, würden sie ihre Jungen töten. Besorgt inspiziert Krebser die vielen Käfige. Doch alle Tiere scheinen wohlauf zu sein. In einem Käfig enthüllt sich sogar eine Überraschung: Es hat Nachwuchs gegeben. Freudig nimmt die Praktikantin die noch nackten Jungmäuse in die Hand. Dass diese niedlichen Tiere ihren Tod als Schlangenfutter finden müssen, gehe ihr schon nah. «Ich habe deswegen schon ein ganzes Rattenrudel mit nach Hause genommen», gesteht sie.

* * *

Im oberen Stock des neuen Heimes geht es hektisch zu und her. Mittlerweile sind die Einrichtungsgegenstände für die verschiedenen Reptilien eingetroffen. «Wessen Möbel sind das?» fragt Bühler in die Runde. Im Karton befinden sich einige Hölzer und Gräser. «Oh, ich glaube diese Tiere haben wir gar nicht mehr», antwortet eine der Helferinnen. Besonders gross ist das Rätselraten, als es um den Einstreu für einige Terrarien geht: Wo kommt welcher Sand hinein? «Ich hoffe, das ist nicht dieser Vitaminsand, der die Füsse der Tiere verklebt», meint Bühler besorgt.
Trotz der ganzen Hektik finden die Freunde und Helfer immer wieder Zeit für einen Witz oder einen Plausch. Kurz nach 19 Uhr stehen schliesslich die ersten Terrarien bezugsbereit. Schnell hüpfen die Bartagamen und Anolis in ihre neuen Wohnungen. Ihr Feierabend kann jetzt beginnen. Für Nicole Bühler und Petra Maurer ist es noch lange nicht so weit.
Quelle
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