Jörg Antons hat ein schönes Büro. Große Fenster nach vorn, große Fenster nach hinten. Dazwischen viel helles Holz. Auf den ersten Blick ein fast normaler, wenn auch ungewöhnlich gemütlicher Arbeitsplatz. Doch irgendetwas ist anders. Es riecht nicht nach Klimaanlage oder kalt gewordenem Kaffee wie in anderen Büros. Sondern ein ganz kleines bisschen nach Zoo. Das wundert nur so lange, bis man die Untermieter des Hörstelers kennengelernt hat. Jörg Antons züchtet Schlangen. Zur Arterhaltung, für Zoos und private Halter. Im Moment leben etwa 120 Tiere in seinen Terrarien. Die Kleinsten sind noch Babys und nur einige Zentimeter lang. Die größten Exemplare erreichen die stattliche Länge von drei Metern.
Schon als kleiner Junge interessierte sich der heute 38-Jährige nicht wie andere Kinder für Meerschweinchen, Hunde oder Katzen. Es waren Reptilien aller Art, die Jörg Antons faszinierten. „Mit sechs oder sieben wollte ich unbedingt ein Chamäleon“, verrät der Schlangenexperte. Das jedenfalls behaupte seine Mutter. Er selbst kann sich an diesen Wunsch nicht mehr erinnern.
Was er allerdings nicht vergessen hat, ist seine erste eigene Schlange: eine Strumpfbandnatter. Die hatte sich Jörg Antons als Zehnjähriger heimlich besorgt, ohne zu fragen. „Der Hausarrest ist inzwischen abgesessen“, fügt er lachend hinzu.
Seitdem nannte er alle möglichen Reptilien sein Eigen. Erst mit etwa 20 Jahren spezialisierte sich der Ehemann und Vater zweier kleiner Töchter ganz auf Schlangen. Inzwischen beherbergt sein „Snake-Zoo“ fast nur noch Boas und Pythons, darunter auch sehr seltene Exemplare, wie die argentinische Boa, wissenschaftlich Boa constrictor occidentalis (Foto). Eines haben alle 120 Bewohner des Reptilienhauses gemeinsam: Sie sind nicht giftig.
„Ich halte nichts davon, Giftschlangen zu halten“, sagt Jörg Antons. Ebenso wenig seien Würgeschlangen mit einer Länge von mehr als drei Metern etwas für private Halter. Das Hobby solle schließlich Spaß machen und nicht brandgefährlich sein.
Mit seiner Leidenschaft für die exotischen Tiere möchte Jörg Antons auch andere anstecken. Dazu bietet er verschiedene Schlangenkurse an.
Im Handhabungskursus können Leute, die sich eine Schlange zulegen wollen, lernen, wie sie richtig mit den Tieren umgehen, wie das Terrarium aussehen sollte, wie eine Schlange artgerecht transportiert wird, alles rund ums Futter und worauf sie sonst noch achten müssen.
Das zweite Angebot richtet sich an diejenigen, die Angst vor Schlangen haben. In kleinen Schritten macht Antons die Teilnehmer mit seinen Lieblingstieren bekannt. „Das dauert so zwei bis drei Sitzungen“, erzählt der gelernte technische Betriebswirt und Konstruktionstechniker.
„Je nach Stärke der Phobie.“ Dabei geht er in mehreren Schritten vor: Am Anfang steht eine abgelegte Schlangenhaut. „Damit haben einige schon Probleme“, weiß der Experte. Danach gehen die Teilnehmer mit einer Eidechse auf Tuchfühlung, bevor sie zum ersten Mal einen der Räume mit den Terrarien betreten.
Dort nimmt der Hörsteler eine kleine, ruhige Königspython in die Hand, die der Gast, der seine Ängste überwinden will, erst anfassen und später selbst auf die Hand nehmen kann. Dieses Prozedere wird mit immer größeren Tieren wiederholt.
Inzwischen ist auch das Fernsehen auf Jörg Antons „Snake-Zoo“, den man allerdings nur nach Absprache besuchen kann, und auf die Schlangenkurse aufmerksam geworden. In der Tiersendung „Wildes Wohnzimmer“ läuft im Moment ein Beitrag über den Hörsteler Züchter. Der erste Teil wurde am vergangenen Samstag ausgestrahlt.
/www.ivz-online.de
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Liebe Grüsse eure Michaela