Seit Wochen „kreist der Klapperstorch“ über dem Ökogarten und bringt nach und nach die Bartagamen-Babys vorbei. Die Weibchen Lizzy, und die verstorbene Lucy hatten im Frühling ihre Eier abgelegt.
Diese befanden sich seitdem im Brutkasten, erzählen Eileen Pfister und Maike Graf, die ihr freiwilliges ökologisches Jahr im Ökogarten der Integrierten Gesamtschule in Vöhrum absolvieren. Nun sind endlich alle Bartagamen-Babys aus ihren Eiern geschlüpft, um die Welt zu entdecken. Erster Erfolg im Leben: Tier des Monats in der PAZ geworden.
Bei den Bartagamen handelt es sich um eine spezielle Echsenart, die ihren Namen vor allem durch ihr Kinn haben. Dieses kann zum Drohen „aufgeblasen“ werden. Bartagamen werden mitsamt dem Schwanz bis zu 60 Zentimeter lang. Sie haben einen breiten ovalen Körper mit angewinkelten, kurzen, aber kräftigen Beinen. Die Augen befinden sich seitlich am Kopf, sodass Bartagamen über ein weites Blickfeld verfügen. Sowohl am Kopf als auch seitlich am Körper haben die Tiere eine Reihe von Stacheln. Diese können bei Gefahr abgespreizt werden, sind jedoch weich. Bartagamen stammen aus Australien. Dort leben sie vor allem in Wüsten und Felswüsten. Durch ihre kräftigen Beine und Krallen können sie sehr gut klettern. Die Echsen ernähren sich von Pflanzen und kleinen Insekten, wie beispielsweise Grillen und Heuschrecken. Diese fangen sie blitzschnell mit ihrer dicken, klebrigen Zunge.
Wie alle Echsenarten gehören Barta-gamen zu den Reptilien, deren Körpertemperatur wechselwarm ist. Das bedeutet, dass die Tiere ihre Temperatur an die Außentemperatur anpassen. Das Verhalten der Bartagamen wird maßgeblich durch den Sehsinn beeinflusst. Sie gelten als „Augentiere“, nehmen jede noch so kleine Bewegung sofort wahr. Da die Tiere keine Geräusche von sich geben, werden Gefühle über die Körpersprache ausgedrückt. Wenn eine männliche Bartagame einen potenziellen Konkurrenten sieht, bläst er seinen Bart auf, stellt seine Stacheln auf und seinen Körper schräg – wie ein Schutzschild.
Um herauszufinden, ob es sich tatsächlich um einen männlichen Konkurrenten oder um ein Weibchen handelt, lecken Bartagamen einander ab. Allein durch die Optik können sie die Geschlechter nicht unterscheiden. In freier Wildbahn sind Bartagame Einzelgänger. Männchen und Weibchen treffen sich nur zur Paarung. Die Paarungszeit ist im Frühling. In dieser Zeit verhält sich das Männchen besonders auffällig und versucht, dem Weibchen zu imponieren.
Wenn das Weibchen bereit ist, packt das Männchen es am Nacken und es kommt zur Paarung. Einige Wochen später folgt die Eiablage. Im Durchschnitt werden es 20 bis 40 Eier. Das Weibchen vergräbt sie im Sand, da sie dort vor dem Vertrocknen, und vor möglichen Feinden geschützt sind. Nach 55 bis 75 Tagen schlüpfen dann die Jungen – genau wie im Ökogarten.
Um sich die Bartagamen einmal anzuschauen, können Interessierte den Ökogarten jeden ersten Sonntag im Monat zwischen 10 und 15 Uhr sowie nach Absprache besuchen. Nächster Besuchersonntag ist der 3. August. Spezialthema sind Rezepte rund um Obst und Kräutersoßen. Am Bastelsonnabend am 2. August soll zwischen 15 und 18 Uhr eine Wüstenlandschaft gestaltet werden. Anmelden kann man sich unter den Telefonnummern 05172/ 5470 sowie 0174/ 7506780.
paz