Wenn Tochter Celine und Sohn Nils am Morgen aus dem Haus gegangen sind, wird Nicole Bühler zur Schlangenflüsterin. Etwa 50 der züngelnden Tierchen wohnen in ihrem Haus in Glattfelden.
«Ich bin ein hibbeliger Mensch, werde im Umgang mit Schlangen aber ruhig», sagt Nicole Bühler aus Glattfelden, «mein Mann sagt, ich hätte das im Blut.» Über 50 Reptilien leben im Einfamilienhaus der Familie, vor allem Schlangen. In einem Fels-Terrarium über dem Sofa dösen Königspythons, und Baumboas beäugen im Essbereich jeden Besucher. «Ein exotisches Haustier war immer mein Traum», erinnert sich Bühler. Ihr Mann Martin hatte vor fünf Jahren die Idee mit den Schlangen, und nach Jahresfrist lebten bereits ein Dutzend Kornnattern im Haus. «Andere haben einen Schuhtick. Bei mir sind es Kornnattern», lacht sie.
Obwohl das Paar keine Giftschlangen kaufte, waren Bekannte skeptisch. Eine Nachbarin wollte es nie wieder wagen, am Haus vorbeizugehen. Inzwischen hat sie aber selber die Faszination für die Tiere entdeckt. «Die Leidenschaft für Reptilien ist ein extrem ansteckender Virus», sagt Bühler. Auch ihre Kinder wurden mit der Vorliebe für ungewöhnliche Tiere angesteckt. Der fünfjährige Nils nennt exotische Frösche und Tausendfüssler sein Eigen, und die elfjährige Celine hält Geckos und wandelnde Blätter.
Prominente ohne Honorar
Nicole Bühlers Schwester meldete die Familie dann bei der Sendung «Wildes Wohnzimmer» des deutschen Privat-senders VOX an. Erst erteilte die Glattfelderin den Verantwortlichen eine Abfuhr. «Daraufhin hielten wir aber Familienrat. Es stand 3:1 gegen mich», erinnert sie sich, «und ein Wochenende lang klebten mir drei Herren vom Fernsehen am Hintern.»
Während Nils die Aufregung für unbeaufsichtigtes Computerspielen nutzte, genoss Celine das Scheinwerferlicht. «Sie will berühmt werden», lacht ihre Mutter. Bezahlt haben die TV-Leute nur die bestellte Pizza. Dafür sorgten sie mit der Sendung im April dafür, dass Bühler mit Komplimenten und Fragen von Schlangenfreunden überhäuft wurde. «Das hat inzwischen aufgehört», sagt sie erleichtert. Schliesslich hat die Schlangenexpertin auch ohne Prominentenstatus genug zu tun. In Nussbaumen musste sie letzthin eine Schlange einfangen, die sich in ein Haus verirrt und die Katzen verwirrt hatte. Am Tag darauf brachte eine Frau ihre appetitlose Python vorbei. «Bei mir fressen sie alle», sagt Bühler, die an drei Wochentagen in ihrer «Casa Reptilica» in Höri arbeitet – eine Auffangstation und ein Laden für Reptilien. «Und irgendwann muss ich ja noch den Haushalt erledigen», seufzt sie augenzwinkernd.
Ein ungewöhnlicher «Fernseher»
Auch die eigenen Schlangen verlangen nach Aufmerksamkeit. Täglich putzt die Züchterin Terrarien, untersucht Kotproben, oder sieht nach den Schlangeneiern. Bei manchen läuft Schleim aus Rissen aus, bei anderen stecken sogar schon Schlänglein ihren Kopf ins Freie. Bis zum Ende des Sommers werden 120 von ihnen züngelnd die Welt erkunden. «Kornnattern vermehren sich wie Karnickel», kommentiert Bühler lachend.
Jede Schlange hat bestimmte Vorlieben. Eine Python wollte vor drei Jahren die Welt entdecken und büchste aus. Nach vier Wochen ohne Spur ertappte Bühler die Schlange, als sie nachts in ein Loch im Badezimmer verschwinden wollte. «Eine Stunde lang habe ich sie festgehalten. Dann gab sie auf», erzählt die Glattfelderin, die von ihren Schützlingen gar nach deren Ableben auf Trab gehalten wird: Einst grub ein Fuchs eine tote Boa aus, schleppte sie ins Dorf und sorgte damit gehörig für Aufruhr. Trotz all der Aufregung kann Bühler nicht genug von ihren beinlosen Lieblingen kriegen: «Oft sitze ich abends vor den Terrarien statt vor dem Fernseher», erzählt sie.www.zuonline.ch
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Liebe Grüsse eure Michaela