Seit drei Jahren wird der " futurego-Preis " des Landes Sachsen-Anhalt an Schüler mit außergewöhnlichen Geschäftsideen verliehen. In diesem Jahr haben ihn zwei 14-Jährige aus Roßlau gewonnen. Tobias Langer und Gabriel Breitkopf überzeugten die Jury mit ihrer " Cucaratscha-Insektenfarm " und bekamen eine Anschubfi - nanzierung von 1000 Euro.
Dessau-Roßlau. Tobias Langer guckt durch seine randlose Brille, streicht sich das rote Haar aus dem Gesicht und stellt fest : " Hopsepferdchen sind besonders vitaminreich und daher sehr gut geeignet für die Ernährung von Reptilien. " Wenn Tobias liebevoll von Hopsepferdchen spricht, sind Grillen gemeint.
Eigentlich möchte der Sekundarschüler später mal Hotelkaufmann werden, nun ist er aber erstmal selbständiger Unternehmer. Gemeinsam mit seinem Freund Gabriel Breitkopf ist er gerade in der Gründungsphase seiner eigenen Firma : die " Cucaratscha Insektenfarm ". Cucaracha, wie es eigentlich heißt, ist das spanische Wort für Kakerlake. Mit diesem eher ungeliebten " Haustier " wollen die Jungunternehmer nun die Karriereleiter hinaufklettern. " Unsere Idee ist es, exotische Schauinsekten und Futtertiere zu züchten und diese dann zu verkaufen und auszuliefern ", erklärt Tobias.
Ein Schuppen wird
zur Firmenzentrale
Die beiden Roßlauer Teenager sind begeisterte Fans von Reptilien und Insekten. Und so kam auch ihre Geschäftsidee zustande. " Wir haben festgestellt, dass es sehr schwierig ist, Futter für unsere Tiere bei Zoohändlern in der Umgebung zu bekommen ", erläutert Tobias. Oft sei das Lebendfutter von minderer Qualität, und eine Vielfalt wäre auch nicht gegeben. " Man muss sogar manchmal vorbestellen, um rechtzeitig an Futter für die Tiere zu kommen. "
Nachforschungen der beiden Schüler haben ergeben, dass auch bei Zoohändlern ein großer Bedarf an Lieferanten besteht. Nun wollen Tobias und Gabriel die Zoohändler und Terrarienfreunde in der Region mit selbstgezüchteten Futter-Insekten im 24-Stunden-Service beliefern.
Tobias nimmt vorsichtig Mona auf die Hand. Mona ist ein Leoparden-Gecko und nicht größer als 15 Zentimeter. " Am liebsten isst sie Schokoschaben ", erklärt er. Gabriel kümmert sich derweil um Lisa, den zweiten Leoparden-Gecko. Lisa ist etwas lebhafter als Mona und Gabriel hat seine liebe Mühe, das kleine Reptil unter Kontrolle zu bringen. " So ein Gecko braucht ungefähr alle zwei Tage ein bis zwei Schaben ", klärt Tobias über die Bedürfnisse der Tiere auf. Seine beiden Vogelspinnen Gertrude und Bernd würden etwas weniger benötigen. Die Spinnen möchte Tobias heute aber nicht aus dem Käfi g lassen. " Die sind zur Zeit ein bisschen aggressiv. "
Auch aus Liebe zu ihren eigenen Tieren wollen Tobias und Gabriel für optimale Qualität sorgen. " Wir möchten versuchen, die Futtertiere möglichst artgerecht zu halten ", so Tobias. Um für eine optimale Temperatur von ungefähr 25 Grad zu sorgen, wollen sie in der kalten Jahreszeit bei der Auslieferung auch auf Wärmeboxen setzen.
In den Ferien soll es dann richtig losgehen. Mit den 1000 Euro Preisgeld wollen die beiden Jungen erst einmal ihre Firmenzentrale, einen Schuppen im Garten der Eltern, auf Vordermann bringen. Dann soll die Zucht der Insekten beginnen. " Wir brauchen mindestens ein Jahr Vorlauf, um eine große Produktpalette anbieten zu können ", erläutert Tobias. " Wir müssen ja vorbereitet sein, wenn jemand anruft und drei oder vier Päckchen Grillen haben möchte. "
Eine detaillierte Preisliste gibt es auch schon. So sollen 500 Heimchen je nach Größe zwischen 10, 25 Euro und 16, 50 Euro kosten. Eine Dose Totenkopfschaben wird hingegen schon für vier Euro erhältlich sein.
Gabriele Langer unterstützt ihren Sohn Tobias nach Leibeskräften. " Da die beiden mit ihren 14 Jahren offi ziell noch nicht geschäftsfähig sind, übernehme ich erstmal die Verantwortung ", so die Mutter. Zunächst werden die Eltern der beiden Preisträger auch für den Transport zum Kunden in die Pflicht genommen. Bis die beiden Jungunternehmer selber ihre Lieferungen ausfahren können, dauert es schließlich noch einige Jahre.
Die gute Geschäftsidee war ausschlaggebend
Das minutiös durchgeplante Business-Konzept hat die Juroren des Nachwuchspreises restlos überzeugt. Auf mehr als 20 Seiten hatten die Schüler von der Kalkulation bis hin zu Werbemaßnahmen alles dokumentiert. Die Projektmanagerin von futurego, Ina Elste, erklärt, warum sich die Jury für die beiden Achtklässler entschieden hat : " Für die siebenköpfige Jury mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft waren vor allen Dingen die authentische Präsentation und die gute Geschäftsidee ausschlaggebend. " Zu zwei Dritteln ging der Businessplan in die Bewertung ein und zu einem Drittel die abschließende Präsentation vor der Jury.
Unabhängig vom Erfolg der " Cucaratscha-Insektenfarm " hält Tobias aber an seinem Berufswunsch im Hotelfach fest. Und auch Gabriel plant keine große Karriere als Insektenzüchter. Er träumt vielmehr von einer Zukunft als Koch. " Da wird die Insektenzucht nur noch ein Hobby sein ", befürchtet Gabriel. Aber einen Wunsch teilen die beiden noch : " Ich würde gerne mal Insekten essen ", so Tobias. Und Gabriel fügt begeistert hinzu : " Ich habe in einem Kochbuch mal von mit Schokolade überzogenen Heuschrecken gelesen. "
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Liebe Grüsse eure Michaela