
Krokodile erblicken zu Hunderten das Licht dieser Welt. Damit die Massengeburt nicht ewig dauert, geben sich die kleinen Reptilien heimlich Zeichen
Unzählige Male haben Forscher diese packende Szene schon beobachtet, doch wie die Jungen es anstellen, allesamt gleichzeitig zu schlüpfen, blieb ihnen bisher ein Rätsel. Erst jetzt haben französische Wissenschaftler zum ersten Mal an Nilkrokodilen gezeigt, dass kleine Schreie das Signal zum Aufbruch geben: Die Kleinen rufen sich aus den Eiern gegenseitig zu. Und diese Rufe sind sogar für Menschen gut hörbar Sie klingen wie "Ümpf! Ümpf! Ümpf!"und sagen den anderen Jungen im Nest offenbar, dass es endlich Zeit ist, zu schlüpfen. Und weil auch die Mutter lauscht, weiß sie, wann sie losgraben muss. Ihre wundersame Entdeckung haben Amélie Vergne und Nicolas Mathevon jetzt im Wissenschaftsjournal Current Biology veröffentlicht.
Ganz unverhofft kommen die Ergebnisse der französischen Reptilienforscher zwar nicht: Dass Krokodiljunge aus ihren Eiern rufen, war schon lange bekannt. Nur, was das "Ümpf!" bedeutete, das wusste man nicht. Um es herauszufinden, unterteilten die Forscher schlupfreife Krokodileier in drei Gruppen: Während die erste Gruppe die Rufe vermeintlicher Geschwister vom Band hörte, spielten die Forscher der zweiten gar nichts vor - und der dritten Gruppe nur ein Rauschen, um zu schauen, ob die Babys die Rufe von anderen Geräuschen unterscheiden konnten.
Jene Jungen, die den artgerechten Schlüpfruf zu hören bekamen, antworteten mit demselben Ruf. Viele Eier bewegten sich sogar. Schließlich schlüpften alle Krokobabys der Gruppe innerhalb von zehn Minuten. Die Jungen der anderen Gruppen hingegen sahen sich nicht veranlasst, ihre Eier zu verlassen. Sie benötigten mindestens fünf Stunden, bis sie schlüpften.
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Die Forscher untersuchten aber auch die Antwort der Mutter auf die Rufe. Sie nahmen die Eier aus den Nestern und spielten den jetzt eierlosen Müttern über Lautsprecher aus dem leeren Nest die Rufe von schlüpfenden Jungen vor. Die Mütter antworteten auf die Rufe, in dem sie anfingen, nach den entschwundenen Eiern zu graben.
"Dieses Verhalten scheint eine lange Geschichte zu haben", schreiben die Forscher. Sie glauben daher, dass die Rufe für das frühe Überleben der jungen Krokodile wichtig sind. "Die meisten Todesfälle passieren sehr früh im Leben und die Rufe locken natürlich auch Feinde an", erläutert Mathevon von der Université Jean Monnet in Frankreich. "Daher schützt die Anwesenheit der Eltern am Nest die Kleinen vor Feinden. Und so ist es für alle Jungen wichtig, gleichzeitig zu schlüpfen und den Schutz der Eltern zu genießen."
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