„Ö-Bonus“ für Milch
FORDERUNG / Milchbauern wollen vom Handel und von den Konsumenten einen Aufschlag von 10 Cent pro Liter heimischer Frischmilch, um unfaire Wettbewerbssituation zu bekämpfen.
VON HARALD SERVUS
„Wir müssen versuchen, dem Handel und den Konsumenten klar zu machen, dass Qualität ihren Preis hat.“ Das sagt Leopold Gruber-Doberer, Chef der Milchgenossenschaft NÖ (MGN), die 4000 Milchbauern unter Vertrag hat und 15 Prozent am Molkereikonzern NÖM hält.
Konkret fordert Gruber-Doberer anlässlich des Weltmilchtages im NÖN-Gespräch einen „Österreich-Bonus“ von mindestens 10 Cent auf den Handelspreis von 1 Liter Frischmilch. Die MGN werde Verhandlungen mit dem Handel aufnehmen, um diese Forderung durchzusetzen.
Als Begründung für den „Österreich-Bonus“ führt Gruber-Doberer die ungleiche Wettbewerbssituation mit dem Ausland an: „Wir produzieren mit höherem Aufwand, weil wir uns der Gentechnikfreiheit verschrieben haben, weil wir kleinere Betriebseinheiten und weil wir ein strenges Tierschutzgesetz haben.“ Dieser Mehraufwand bedeute letztlich mehr Qualität, die der Markt allerdings nicht mit adequaten Preisen honoriere.
Im letzten Jahr hätten die Bauern zwar durch die große Nachfrage am internationalen Milchmarkt nach Jahren der Stagnation um 4 Cent mehr für den Liter bekommen, mittlerweile sei der Preis aber wieder um 2 Cent zurückgegangen und halte derzeit bei 42 Cent Erzeugermilchpreis. „Viel Spanne ist da nicht drinnen, weil auch die Milchbauern von den exorbitant gestiegenen Energiepreisen stark betroffen sind und die Produktionskosten stark gestiegen sind – im Schnitt um 6 Cent pro Liter“, sagt Gruber-Doberer. Halte der Preisdruck des Handels weiter an, sei ein weiterer Anstieg des Milchbauernsterbens zu befürchten. „Derzeit hören jedes Jahr 5 Prozent der Milchbauern auf – und das wohl nicht wegen Reichtums“, sagt Gruber-Doberer.
Mit dem geforderten „Österreich-Bonus“ von 10 Cent würde die Frischmilch im Handel die ominöse 1-Euro-Marke überspringen und dann bei Markenprodukten bei 1,09 Euro pro Liter liegen. Dass man den kleinen Mehrpreis gegenüber dem Konsumenten rechtfertigen kann, ist Gruber-Doberer überzeugt: „Die Mehrkosten für den „Österreich-Bonus“ würden pro Konsumenten bei 8 Euro im Jahr liegen. Das müsste uns die gute österreichische Milch wert sein.“
Von Drohungen wie in Deutschland – hier halten die Milchbauern Liefermengen zurück, um den Markt unter Druck zu setzen – hält Gruber-Doberer nichts: „Die heimischen Milchbauern sind ein Garant für Versorgungssicherheit und sollten das nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“
NÖN
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Liebe Grüsse eure Michaela