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 "Terror ist etwas ganz anderes"

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Michaela
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BeitragThema: "Terror ist etwas ganz anderes"   Do 29 Mai - 8:43

"Terror ist etwas ganz anderes"
Der VGT- Geschäftsführer Harald Balluch im derStandard.at- Interview über unverständliche Vorwürfe und das eigene Unrechtsempfinden
Keine Woche ist es her, dass österreichweit insgesamt zehn Tierschützern festgenommen wurden. Darunter auch Martin Balluch, Obmann des Vereins gegen Tierfabriken (VGT) und Bruder des VGT-Geschäftsführers Harald Balluch. Warum der Bruder in U-Haft sitzt, und was ihnen vorgeworfen wird, davon will Harald Balluch bis heute nichts wissen. Im Interview erklärt er, wo die Grenzen seines Unrechtsempfindens liegen und erklärt die, in vielen Ländern agierenden Animal Liberation Front (ALF) zum Mythos.


***
derStandard.at: Wie viele Mitglieder des Vereins gegen Tierfabriken, abgesehen von Ihrem Bruder, Vereinsobmann Martin Balluch wurden verhaftet?

Harald Balluch: Wie viele von den Verhafteten tatsächlich VGT-Mitglieder sind, ist schwer zu sagen. Viele sind in verschiedenen Organisationen aktiv. Aber aus dem Umfeld des VGT sind es drei.

derStandard.at: Was wird Ihnen und den anderen Mitgliedern konkret vorgeworfen?

Harald Balluch: Es wurde uns bisher nichts Konkretes mitgeteilt. Abgesehen von den Vorwürfen, die durch die Medien geistern (Anmerkung: Brandstiftungen, Gasanschläge und andere schwere Sabotageakte auf Lebensmittelkonzerne, Bekleidungshandelsketten, pharmazeutische Unternehmen, Produzenten landwirtschaftlicher Produkte und jagdliche Einrichtungen). Angeblich sind wir Mitglieder einer kriminellen Verbindung, aber wer dort was getan haben soll, wissen wir bis heute nicht.

In erster Linie wird mir vorgeworfen, Mitglied dieser unbenannten kriminellen Verbindung zu sein. So lange ich nicht weiß, um welche angebliche kriminelle Verbindung es sich handelt, kann ich auch nicht beweisen nicht Mitglied zu sein. Momentan hat die Staatsanwaltschaft den Akt noch nicht zur Einsicht freigegeben. Deshalb weiß ich nicht, mit welchen Fakten die Beschuldigungen begründet werden.

derStandard.at: Sind Sie sich einer Schuld bewusst?

Harald Balluch: Nein, ich bin mir keiner Schuld bewusst.

derStandard.at: Die Animal Liberation Front führt Tierbefreiungen und Anschläge auf diverse Einrichtungen durch und wird von der amerikanischen Bundesermittlungsbehörde FBI als terroristische Vereinigung klassifiziert. Wie stehen Sie zu solchen extremistischen Netzwerken?

Harald Balluch: Von denen hört man immer wieder, aber ich glaube, dass das keine Struktur ist, die real existiert. Das sind Einzelpersonen, die dann in Bekennerschreiben die ALF angeben. Ich halte von Straftaten überhaupt nichts.

derStandard.at: Aber der VGT hat doch auch schon Tierbefreiungen durchgeführt.

Harald Balluch: Schon. 2002 haben wir ein Schwein und sieben Hühner befreit. Das waren allerdings „offene Befreiungen“, also welche, die von einer Pressemeldung begleitet wurden. Schließlich wollen wir ja unsere Gründe vermitteln. Bei der Hühnerbefreiung gab es einen Prozess, der mit einem Freispruch endete, weil die Haltebedingungen so schlecht waren.

derStandard.at: Wo ist die Grenze zwischen Terror und dem Kampf für den Tierschutz zu ziehen? Wie weit würden Sie gehen?

Harald Balluch: Terror ist etwas ganz anderes, als das was im Tierschutz passiert. Terror bedeutet, Dinge zu tun, die Menschen schockieren, Menschen zu töten. Selbst diese Sache mit den Stinkbomben im Kleider Bauer ist damit nicht in einen Topf zu werfen.

Bei Straftaten hört es für mich auf. Ich meine damit aber keine zivilrechtlichen Dinge, so wie etwa das illegale Verparken eines Parkplatzes, oder Fotografieren. Das sind zwar auch Gesetzesbrüche, aber es ist im Sinne des öffentlichen Interesses. Bei Sachbeschädigung wäre für mich zum Beispiel die Grenze überschritten.

derStandard.at: Was kann man bei Ihren Animal Liberation Workshops lernen?

Harald Balluch: Die Geschichte des Tierschutzes, und dann geht es natürlich um die Praxis. Beispielsweise wie man einen Infostand anmeldet, wie man Flugblätter gestaltet, Leserbriefe schreibt.

derStandard.at: Und was haben Sie bei Ihrem Animal Liberation Workshop in Lettland auf einer Pelztierfarm gemacht?

Harald Balluch: Ich war in Lettland nicht dabei, aber Fotos nehme ich an.

derStandard.at: Die Tierschutzorganisation PETA Deutschland hat im vergangenen Sommer ein „vegetarisches Startpaket“ an Robert A., den Kannibalen von Wien geschickt. Der begleitende Pressetext: "Das grausame Szenario von Schlachten, Zerstückeln, Portionieren, Einfrieren und Essen von Körperteilen ist bittere Realität für Millionen empfindsamer Individuen, die in Österreich Jahr für Jahr ihr Leben unfreiwillig verlieren". Finden Sie das okay? Was ist für Sie schlimmer: wenn ein Mensch leidet oder wenn ein Tier leidet?

Harald Balluch: Das war nie unser Stil. Andere arbeiten eben mit Schockieren, wie bei der „Holocaust auf Ihrem Teller“-Kampagne. Ich halte von solchen Methoden nichts. Mit derartig provokanten Aussagen stößt man die Leute nur vor den Kopf und das erzeugt Ablehnung.

derStandard.at: Halten Sie ein Haustier?

Harald Balluch: Ich wohne mit den zwei Hunden meiner Freundin zusammen. Ich selbst würde mir nie zum Spaß ein Tier kaufen, weil ich die Industrie, die da dahintersteht ablehne. Unsere Hunde sind aus dem Tierheim, und gemessen an dem, was sie bisher erlebt haben, geht es Ihnen jetzt sicher besser.

derStandard.at: Noch mal: Was ist für Sie schlimmer: wenn ein Mensch leidet oder wenn ein Tier leidet?

Harald Balluch: Das ist eine provokante Frage und ich halte nichts davon, diese Themen gegeneinander auszuspielen. Natürlich finde ich, dass Tierleid ein wichtiges Thema ist, sonst würde ich nicht dagegen kämpfen.

derStandard.at: Seit wann sind Sie Vegetarier?

Harald Balluch: Seit 16 Jahren und seit zehn lebe ich vegan. (28.5.2008, Birgit Wittstock, derStandard.at)


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Zur Person: Der 39-Jährige ist seit 1995 im Tierschutz aktiv, seit 1997 für den VGT. Seit sechs Jahren ist Balluch Geschäftsführer des Vereins, der nach eigenen Angaben rund 5.000 Mitglieder hat. Harald Balluch ist gelernter Informatiker und als solcher auch für die Website des VGT verantwortlich.

Aus dem Archiv
Demoverbot für Pelzgegner [20.02.07 \Panorama]

Quelle

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Liebe Grüsse eure Michaela
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