Ehrenbürger von Australien, ein Vorreiter der dortigen Tourismusindustrie, Gemeindevorstand - die Liste von Auszeichnungen und Funktionen von Werner Sarny lässt sich über mehrere Seiten fortsetzen. Anstatt das Schuhgeschäft seines Vaters zu übernehmen, zog der gebürtige Lavamünder vor über 40 Jahren Siebenmeilenstiefel an und landete in Australien. "Damals versuchte die Regierung, Leute aus ganz Europa hier anzusiedeln. Der Hinflug wurde bezahlt", sagt der 69-Jährige, der sich zunächst in Melbourne niederließ. 1963 zog er ins Northern Territory, ein Bundesstaat, der 16 Mal so groß ist wie Österreich, aber nur zirka 200.000 Einwohner hat.
Der Beginn. Dort sorgt er seit 1966 mit seinem Fremdenverkehrsunternehmen "Travel North" dafür, dass Touristen den Norden Australiens erkunden können. Bot er zunächst Motels und Unterkünfte für Rucksacktouristen sowie Camping- und Wohnwagenabstellplätze an, gehörten bald auch Abenteuertouren zum Programm. "Die Voraussetzungen haben sich inzwischen ziemlich geändert. Auf die Touristen wird heute viel mehr aufgepasst", sagt der gelernte Schuhmachermeister. So mussten Fremdenführer zum Beispiel früher keine Prüfung ablegen. "Wer ein Boot besaß, konnte einfach ein paar Urlauber zusammensuchen und losfahren."
Jagd - mit der Kamera. Auch der Tierschutz ließ zu wünschen übrig. Sarny: "Bis 1973 war es erlaubt, Krokodile zu schießen. Wir haben bis zu diesem Zeitpunkt einige Exemplare gefangen und an Zoos verkauft", sagt der Vater von drei Töchtern. Inzwischen sind die Touristen die einzigen, die Jagd auf die Riesenechsen machen - und zwar mit der Kamera. Ein nächtliches Krokodil-Abenteuer inklusive Lagerfeuer können Australien-Urlauber bei "Travel North" übrigens ebenso buchen wie eines von insgesamt 140 Zimmern. Inzwischen hat der Auswanderer sein Unternehmen verkleinert, der Mitarbeiterstock ist von 200 auf etwa 70 Personen geschrumpft.
Auszeichnung. Dass das Familienunternehmen aber noch immer die Nase vorn hat, beweist die Auszeichnung als "bestes Fremdenverkehrsunternehmen im Northern Territory", die es vor zwei Jahren erhielt. Der Erfolg kommt jedoch nicht von selbst, und so verband Sarny seinen heurigen Heimaturlaub mit einem Abstecher zur Tourismusmesse in Singapur sowie zur internationalen Touristikbörse in Deutschland, denn: "Man muss in dieser Branche regelmäßig Lebenszeichen von sich geben und alte Kontakte auffrischen."
Kein leichter Draht. Das gilt natürlich auch für die Familie, zu der er in den ersten Jahren wegen der schlechten Telefonverbindung leider nur wenig Kontakt hatte: "Allein die Verbindung herzustellen, dauerte eine halbe Stunde", sagt Sarny. In Pension möchte der 69-Jährige noch nicht gehen, aber er tritt auf jeden Fall etwas kürzer. Die so gewonnene Zeit kann er seiner Frau Patricia widmen, die ursprünglich aus Tasmanien stammt. Außerdem betätigt sich Sarny als passionierter Hobbygärtner, "das zahlt sich bei drei Ernten pro Jahr aus". Er pflanzt unter anderem Gurken, Kürbisse und Wassermelonen an.
Freier Lebensstil. Während er an seiner alten Heimat vor allem Verwandte und Freunde vermisst, genießt der Tourismus-Experte den australischen Lebensstil. "Die Bürokratie ist hier zum Beispiel nicht ganz so ausgeprägt. Außerdem ist es nicht so wichtig, wie man sich anzieht - das gilt auch für die Großstädte. Insgesamt ist das Leben hier viel freier."
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Liebe Grüsse eure Michaela