Echsen - Ein Laden mit eigenem Charakter: Bartagamen zwischen Topfpflanzen und Schnittblumen
Crazy hüpft Kunden auf die Schulter
VON JULIA WETZEL UND SAMIA NAIMI
METZINGEN. »Sie sind so unterschiedlich wie wir Menschen. Entweder zickig, ruhig oder lebendig. Deshalb hat auch jeder einen passenden Namen.« So erzählt Stella Aceto, Mitarbeiterin des Metzinger Blumengeschäfts »S'Pflanzenstüble«, in Metzingen. Sie schwärmt dabei von ihren sandfarbenen Echsen, Bartagamen genannt, die im Laden von Chefin Heidrun Kull ganz alltäglich sind.
Die zutraulichen »Bartis«, wie sie von Liebhabern auch genannt werden, lassen sich von ihrer Bezugsperson problemlos aus dem Terrarium holen. Sie sind in allen Größen und Altersgruppen vertreten.
Ihre Namen erhalten sie erst nach einer gewissen Zeit, wenn sich der jeweilige Charakter herausgebildet hat. So gibt es einen Kermit unter den munteren Echsen oder auch eine Lady Marmalade. Der freche Crazy, auch als Kamikaze bekannt, hat keine Scheu, vom Terrarium aus Kunden auf die Schulter zu springen.
Viele sind fasziniert
»Viele sind fasziniert und finden es einfach toll«, berichtet Stella. »Andere jedoch wenden sich angeekelt ab, weil es eine Art Echse ist.« Manche wollten die »Bartis« sogar anfassen, was in der Regel kein Problem sei. Die Tierchen halten still. Ihr Rücken fühlt sich rau und stachelig an, im Gegensatz dazu ist der Bauch sehr weich. Das Terrarium im Pflanzenstüble wird tagsüber mit einer Lampe erwärmt. Da diese um Punkt 18 Uhr für die Nacht ausgeschaltet wird, sind die Agamen morgens noch sehr langsam und träge, also richtige Morgenmuffel.
Zusätzlich besitzen sie einen Bart, deshalb auch der Name Bartagamen. Dieser färbt sich bei aufgeregten Männchen schwarz und sie beginnen zu »nicken«, sobald ihnen ein Weibchen gefällt oder sie sich eben schwarz ärgern. Das Weibchen ergibt sich dem Männchen. Dazu hebt es die Hand. Ein lustiges Schauspiel, das eher aussieht, als herrsche Gleichberechtigung. Denn unter Menschen ist diese Geste eine Einladung zum übereinstimmenden »Give me five-Check«.
Fortpflanzung ist bei den Agamen kein Problem. Bis zu sieben Mal im Jahr legen sie 15 bis 25 Eier. Erstaunlich schnell wachsen die Babys von einer kleinen Anfangsgröße auf bis zu 60 Zentimeter und werden bis zu 15 Jahre alt.
Gefüttert werden die Agamen im Metzinger Blumengeschäft mit Würmern in verschiedenen Größen, damit auch für jedes Alter der passende dabei ist. Aber auch Leckereien wie Ackersalat, Wassermelone und Banane gehören zu ihrem Speiseplan.
Da sich die Tiere vermehren und das Geschäft nicht alle Tiere behalten kann, suchen Chefin und Mitarbeiterin immer mal wieder nach interessierten und zuverlässigen Familien. Sie vermeiden den Verkauf an Familien, die diese Tiere als Modeerscheinung sehen. Im Alter von drei Monaten können sie an neue Besitzer abgegeben werden.
Doch der Abschied tut weh. Stella Aceto teilt uns ihr Bedauern über den Verkauf des sechs Monate alten »Simon« mit. Jetzt bleibt noch dessen Kollege »Garfunkel«. Alle Bartagamen wachsen ihr sehr ans Herz. Die gelernte Floristin liebt es, sich um die Tiere zu kümmern. Ihr »Zweitjob« macht ihr viel Spaß. Es ist einfach mal etwas anderes, eben kein ganz gewöhnlicher Blumenladen. (GEA)
Die Autorinnen sind 17 Jahre alt, gehen auf das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Metzingen und haben den obigen Artikel im Rahmen eines Praktikums beim GEA geschrieben.
gea.de
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Liebe Grüsse eure Michaela