
Dessau/MZ. Lässt sich Erfolg wiederholen? Ernst Görgner, Direktor des Museums für Naturkunde und Vorgeschichte, ist davon überzeugt. Vor 15 Jahren lockte eine Sonderausstellung über Saurier innerhalb von drei Monaten 50 000 Besucher in das Haus an der Dessauer Museumskreuzung . Am Sonntag, 15 Uhr, nun wird die Ausstellung "Saurier der Urzeit" eröffnet. Völlig neu konzipiert, mit anderen Schwerpunkten, auf dem neuesten Forschungsstand.
Die Vorbereitungen laufen noch. Vier Männer hocken am Montag neben einem Schädel. Sie versuchen ihn mit der Halswirbelsäule zu verschrauben. Schädel und Halswirbelsäule sind Kopien von Skelettteilen eines der größten Landlebewesen, das je die Erde besiedelt hatte: der Brachiosaurus. Dessen Skelett gehört zu den spektakulärsten Ausstellungsstücken des Berliner Naturkundemuseums, von dem auch die Kopie als Leihgabe nach Dessau kam. Ab Sonntag soll sie über den Köpfen der Besucher schweben.
Doch nicht nur der Brachiosaurus lockt: Mitten in der Eingangshalle des Museums steht das Modell eines jungen Iguanodon, gefertigt in den Werkstätten des Museums. Dieser Pflanzenfresser war einer der häufigsten Saurier und zog, wie Museums-Geologin Angelika Hesse erklärt, in großen Herden durch die Landschaft, ständig bedroht von räuberisch lebenden Saurieren wie den Deinonychus, der "Schrecklichen Kralle", dessen Bild das Plakat zur Ausstellung ziert. Allerdings, räumt Hesse ein, sei die dortige Darstellung schon überholt. Neueste Forschungen gingen davon aus, dass Deinonychus zumindest ein schütteres Federkleid trug.
Mit der Ausstellung will Kuratorin Hesse nicht zuletzt die Vielfalt der Saurier demonstrieren, die über Jahrmillionen die dominierenden Tiere auf dem Land, im Wasser und in der Luft waren und jede nur erdenkliche ökologische Nische besetzten, bis sie vor 65 Millionen Jahren verschwanden. Die Gründe dafür hält Hesse weiterhin für strittig. Die in ihren Augen überzeugendste Hypothese: Die aufkommenden Blütenpflanzen waren für die pflanzenfressenden Saurier schwer verdaulich - ihre schrumpfende Population dezimierte die Fleischfresser unter den Sauriern. Den Rest besorgte ein Meteoriteneinschlag.
Für ein halbes Jahr nun feiern die Urechsen im Dessauer Museum ihre Auferstehung. Eines der zentralen Ausstellungsstücke ist das in Dessau gefertigte Modell eines Europasauriers, wie er im Harz gefunden wurde. Hatte man ihn zuerst für ein Jungtier gehalten, ist man heute überzeugt, es mit einer eigenen Art zu tun zu haben, eine Zwergform der Brachiosaurier; wobei der Zwergwuchs eine Anpassung an ein beschränktes Nahrungsangebot darstellte.
Der Zufall will es, dass im Rathauscenter von Ende April bis Mitte Mai ebenfalls Saurier präsentiert werden. Im Museum sieht man darin keine Konkurrenz, sondern eine willkommene Ergänzung der eigenen Schau; man werde deshalb auch zusammenarbeiten. Zudem probiert das Museum ein neues Veranstaltungsformat aus: Am 31. Mai wird dort erstmals zur "Jazz Kulttour" mit Livemusik und Sonderführungen eingeladen.
Eröffnet wird die Sonderausstellung "Saurier der Urzeit" am Sonntag, 16. März, um 15 Uhr im Museum für Naturkunde und Vorgeschichte.
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