
Halle/MZ. Günter hat überlebt. Kaum zu glauben: Als vor sechs Jahren in der Stephanusstraße eine Gasexplosion Halle erschütterte, saß er im Terrarium des Unglückshauses fest. Auch für grüne Leguane muss es wohl Schutzengel geben: Denn Günter wurde gerettet.
Biologin Jutta Heuer kann sich noch gut erinnern: "Weil die Besitzerin nach der Explosion selbst kein Dach mehr über den Kopf hatte, bekam der grüne Leguan im Zoo Asyl". Günter zog also zu Weihnachten 2002 auf dem Reilsberg ein und sei dann nach zwei Monaten von seiner Eigentümerin abgeholt worden, berichtet Heuer. Doch nicht nur als Mensch sieht man sich immer zweimal im Leben.
"Im Dezember 2004 kam das Tier zu uns zurück", erzählt die Biologin. Aus dem urzeitlichen Mini-Drachen war ein stattliches Reptil geworden. "Für die gute Wohnstube zu groß", ahnt Heuer den wahren Grund für die Abgabe des Südamerikaners.
"Jeden Monat gibt es Anfragen von Leuten, die ihre zu groß gewordenen Leguane im Zoo abgeben wollen. Doch wir sind keine Auffangstation", so die Zoomitarbeiterin, die dennoch zugibt, dass es sich bei allen neun grünen Leguanen, die im Zoo leben, um Abgabetiere handelt. Notfälle sind nicht so selten. "Eines der Tiere wurde im Tierpark Bitterfeld einfach über den Zaun geworfen und kam dann zu uns." Während all die anderen grünen Leguane im Zoo in Wohngemeinschaften leben, ist Günter lieber allein zu Haus. Er zettelt sonst immer wieder Revierstreit an.
Über dem Südamerika-Fischbecken im Raubtierhaus residiert Günter genüsslich als Sonnenanbeter. Hier hat er mit der UV-Lampe sein eigenes Solarium. "Ultraviolettes Licht ist für Reptilien lebenswichtig", erklärt Heuer. Denn das sorge wie bei den Menschen dafür, dass Vitamin D gebildet wird. Das schützt Reptilien vor der Knochenerkrankung Rachitis, die bei Leguanen, die in Gefangenschaft leben, weit verbreitet sei. Günter scheint jedenfalls eine Dauerkarte fürs Solarium zu besitzen. Trotz stundenlanger UV-Brutzelei bekommt er dank der Schuppenhaut jedenfalls keinen Sonnenbrand.
Grüne Leguane, deren Heimat die Tropenwälder in Mittel- und Südamerika sind, erinnern sehr stark an den Dino-Saurier. Die urzeitlich anmutenden Wesen leben auf Bäumen und sind reine Vegetarier. Speziell die Männchen zeichnen sich durch einen großen Rückenkamm aus. Außerdem schmückt eine lange Kehlwanne ihren Kopf. Ästhetisch nicht ganz so perfekt hat Mutter Natur die Wangen erschaffen. Durch Einlagerung von Fettgewebe treten diese wie Tischtennisbälle hervor. Auch Günter muss also mit Pausbacken leben.
Zittrige Drohungen
"Als er zu uns kam, war er zahm. Man konnte ihn sich sogar auf die Schulter setzen", sagt Heuer. Mittlerweile lässt sich der Leguan-Mann, der anderthalb Meter lang ist, nur bei guter Laune streicheln. "Seine Drohungen zeigt er durch Kopfzittern an". Geduld, um dieses Schauspiel zu erleben, braucht es nicht. Auch heute ist dicke Luft im Gehege, der grüne Drache zittert in einer Tour. Fast scheint es so, als würde Günters Kopf im Takt zur Rockmusik mitwippen.
Der Bergzoo in Halle öffnet täglich von 9 bis 16 Uhr.
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