40 Tiere in einer Eineinhalb-Zimmer-Wohnung, frierende Ziegen ohne Stall: 351 Anzeigen musste das Veterinäramt in der Wetterau im vergangenen Jahr nachgehen. Doch Personalmangel beeinträchtigt die Arbeit.
Die Tierschützer des Wetterauer Veterinäramtes fanden in der Eineinhalb-Zimmer-Wohnung einer jungen Frau über 40 Tiere: Zwergkaninchen, Bartagamen (eine Echsenart aus Australien), Schlangen, Vögel, Vogelspinnen, Hunde, eine Katze, ein Chinchilla, eine Ratte, eine Maus. Innerhalb von drei Monaten hatte sich die junge Frau den Zoo in der Mini-Wohnung zugelegt. Als die Tierschützer mit ihr vereinbarten, dass sie die Tiere bis auf den Kater und die Zwerghunde aufgeben sollte, erlitt sie einen Nervenzusammenbruch. Der Notarzt kam.
In der extrem vermüllten Wohnung eines alten Ehepaars beschlagnahmten die amtlichen Tierschützer zwölf Katzen. Ein anderer Tierhalter musste seine drei Ziegen, sieben Kaninchen und 35 Enten an ein Tierheim abgeben. Die Ziegen standen bei extremer Kälte draußen und zitterten. Es gab für sie keinen Stall. Die Kaninchen lebten in katastrophalen hygienischen Bedingungen, es mangelte ihnen an Wasser und Futter. Für die Enten fehlte ebenfalls ein Stall. Sie standen zusammengekauert auf vereistem Boden unter Getreideanhängern.
Nach Bad Nauheim wurden die Tierschützer gerufen, weil eine Frau einen jungen Tiger an der Leine spazieren führte. Es stellte sich heraus, dass das zehn Wochen alte Tigerweibchen zu einem Zirkus gehörte. Es war in tierärztlicher Behandlung.
Der Halter eines zwei Jahre alten Pitbull Terriers erhielt ein Tierhalteverbot und ein hohes Bußgeld, weil er den Hund mehrere Monate alleine in einem Einfamilienhaus zurückgelassen hatte. Die Veterinäramtsmitarbeiter konnten das Haus kaum betreten, weil alle Räume der drei Etagen völlig verkotet waren. Nachbarn hatten das Tier vermutlich mit Wasser und Futter versorgt.
Ein Hühnerhalter hatte eine Falle aufgestellt, in der er Sperlinge lebend fing, um das Futter seiner Hühner zu schützen. Die gefangenen Vögel ließ er ohne Futter und Wasser in der prallen Sonne stehen, so dass sie in wenigen Stunden verendeten.
Geldbußen bis zu 1000 Euro
Eine Hundehalterin hielt ihre 14 Tiere in Transportboxen im Keller eingesperrt. Das wurde ihr untersagt. Trotzdem hielt sie die Hunde weiter in den Boxen. Ein Bußgeld von 200 Euro wurde verhängt.
Das sind einige der Missstände, auf die Mitarbeiter des Wetterauer Veterinäramtes bei ihren 421 Kontrollen im letzten Jahr stießen. 351 mal waren Tierschutz-anzeigen der Anlass, die übrigen waren Routinekontrollen. In 26 Fällen wurden Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Die Geldbußen können zwischen 50 und 1000 Euro betragen.
Kreisbeigeordneter Ottmar Lich (FW) beobachtet seit Jahren einen Anstieg der Tierschutzfälle. Die Ursache seien „in der zunehmend schlechter werdenden wirtschaftlichen und sozialen Situation der Tierhalter zu finden“. Die se Tierhaltung gehe „oft mit katastrophalen Verhältnissen in den Privathaushalten der Tierhalter“ einher. Es fehle seinem Amt an Personal zum effektiven Tierschutz, beklagt Lich. Das sei „ein Mangel, den das zuständige Ministerium und nicht der Wetteraukreis zu verantworten hat“Quelle