Daten von über 25.000 Arten erhoben - ein Fünftel aller Wirbeltiere gilt als gefährdet
Berlin/Nagoya - Menschengemachte ökologische Umwälzungen wie massive Abholzung, Ausdehnung des Ackerbaus sowie Jagd und Fischfang jenseits der Nachhaltigkeit treiben das weltweite Artensterben voran - und am übelsten spielen wir unserer unmittelbaren Verwandtschaft mit: Ein Fünftel aller Wirbeltier-Spezies ist inzwischen als gefährdet zu betrachten, wie 174 Wissenschafter nach der ersten weltweiten Bestandsaufnahme im Magazin "Science" berichten. Und der Trend beschleunigt sich: Im Vergleich zu 1970 hat das Maß des Artensterbens um das Zwei- bis Dreifache zugenommen.
Der Befund
Die Forscher analysierten Daten von über 25.000 Wirbeltier-Arten - Säugetieren, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Fischen. 20 Prozent davon gelten derzeit als bedroht. Dazu zählen jede vierte Säugetier-Spezies, ähnlich viele Reptilien-Vertreter und 13 Prozent der Vogelarten. Aber am stärksten leiden Amphibien: Mehr als 40 Prozent dieser Arten, zu denen etwa Frösche oder Lurche zählen, drohen von der Erde zu verschwinden. Jedes Jahr rücken 52 Arten auf der Gefährdungsskala eine Stufe näher ans Aussterben. Neben einzelnen Spezies können manchmal auch ganze Gattungen und gar Familien vom Aussterben bedroht sein. Schutzprogramme retten zwar manche Tiere, halten den alarmierenden Gesamttrend aber nicht auf.
Besonders schlimm ist die Lage in den artenreichen tropischen Regionen - und am schlimmsten in denen Asiens. Das oben erwähnte verheerende Faktoren-Quartett schränkt die Lebensräume der Tiere zunehmend ein. Hinzu kommen neue Bedrohungen wie etwa der Chytridpilz, der in Amerika und Australien ganze Amphibienpopulationen dahinrafft.
Einzelnen Arten können noch ganz andere Faktoren zum Verhängnis werden - etwa wenn Medikamente wie Diclofenac in die Natur gelangen: Der Entzündungshemmer wurde in Indien in den 1990er Jahren als Tierarznei eingeführt. Seitdem schwand die Population der Bengalgeier um über 99 Prozent. Der Grund: Fressen die Vögel Kadaver von Tieren, die mit dem Wirkstoff behandelt wurden, verenden sie an Nierenversagen.
Düsterer Trend mit einzelnen Ausreißern
Einziger Lichtblick in diesem düsteren Szenario sind einzelne Schutzprogramme. Ohne diese Bemühungen würde der Artenschwund noch um 20 Prozent schlimmer ausfallen, schätzen die Forscher. Dank solcher Programme hat sich der Bestand von insgesamt 64 zuvor stark bedrohten Arten wieder erholt. Dazu zählen drei Spezies, die schon in freier Wildbahn ausgestorben waren, aber in Gefangenschaft vermehrt und erfolgreich ausgesetzt wurden: der Kalifornische Kondor, der Schwarzfußiltis und das Przewalskipferd.
Trotz solcher Erfolge sind die Prognosen der Forscher für die Zukunft pessimistisch. Das Ziel, den Artenschwund bis zum Jahr 2020 zu stoppen, "klingt zwar gut, ist aber leider unrealistisch", klagt Paul Leadley von der Universität Paris-Sud: "Wenn wir so weitermachen wie bisher, steuern wir zweifellos auf einen katastrophalen Verlust der Artenvielfalt zu." (APA/red)
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Liebe Grüsse eure Michaela