Nadja Ziegler von der Wiener Tierschutzsombudsstelle kritisiert den schnellen Handel mit exotischen Tieren auf sogenannten Reptilien-Börsen. Immer mehr Wiener halten Schlangen, Echsen & Co., haben aber keine Ahnung davon.
Ziegler„Viele haben einfach keine Ahnung“
wienweb.at: Kann so etwas wie in Graz auch in Wien passieren?
Ziegler: Die Wahrscheinlichkeit ist gegeben. Wir verzeichnen vor allem in Wien einen Reptilien-Boom. Das hat auch mit Reptilien-Börsen die es immer öfter gibt. Wir sind damit gar nicht glücklich. Dort werden Tiere aus ungewisser Herkunft angeboten, das sind zum Teil Wildfänge, also auch ein Artenschutzproblem. Außerdem werden Besucher dieser Ausstellungen zu einem Spontankauf verleitet. Da kommen Familien hin, um einen netten Nachmittag zu verbringen, und kommen mit einer Schlange nach Hause.
wienweb.at: Also es gibt in Wien immer mehr Menschen, die Reptilien halten, aber keine Ahnung davon haben?
Ziegler: Ja. Das sagen auch die Tierärzte. Viele wissen gar nicht, was sie da haben oder wie groß diese Tiere werden. Das Problem ist: Reptilien können nicht mitteilen, wie schlecht es ihnen geht. Sie leiden lange aber lautlos. Und je mehr Menschen solche Tiere halten, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass so etwas wie in Graz passiert.
wienweb.at: Hat es etwas vergleichbares in Wien schon gegeben?
Ziegler: Ähnliche Dinge kommen immer wieder vor. Erst vor Kurzem hatten wir eine Kobra, die in einem Park in Meidling ausgesetzt wurde. Ein hochgiftiges Tier. Auf der Schachtel stand: „Ich bin nicht mehr giftig“. Ob das stimmt, kann man aber erst nach dem Tod des Tieres feststellen.
wienweb.at: Was sind das für Leute die solche Tiere dann aussetzen?
Ziegler: In erster Linie Leute, die mit den Tieren überfordert sind. Leute, denen das Tier zu groß wird oder auch welche, die selber schon gebissen wurden.
wienweb.at: Wo kann man diese Tiere hinbringen, statt sie im Park auszusetzen?
Ziegler: Es gibt eine Reptilienauffangstation im Haus des Meeres, die vom Blauen Kreis betrieben wird.
wienweb.at: Welche Tiere muss man eigentlich beim Veterinäramt anmelden?
Ziegler: Alle Wildtiere, dazu gehören auch alle Reptilien. Und dann gibt es Tiere, für die gilt in Wien ein Halteverbot. Das sind zum Beispiel alle Großkatzen, hundeartige Raubtiere, Giftschlangen und Würgeschlangen über drei Meter.
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