Walsrode - SÜDKAMPEN (mf) · Markus Stegen ist ein ganz normaler Junge. Er sammelt Mineralien und Kugelschreiber und bastelt gerne an seinem alten Rasenmähertrecker herum. Und er mag Tiere. Letzteres ist für einen 14-Jährigen vom Lande sicher nicht ungewöhnlich. Aber während es seine Altersgenossen wohl eher mit Meerschweinchen oder Katzen halten, hängt das Herz des Südkampeners an Schlangen, genauer an Kornnattern.
18 dieser ungiftigen Kriechtiere tummeln sich in seinem Zimmer. Markus streift sich einen Handschuh über, schiebt die Scheibe eines Terrariums zur Seite und schnappt sich behutsam eine etwa 1,50 Meter lange Kornnatter. „Die Schlangen sind zwar nicht giftig. Aber da die Tiere die Augen stets geöffnet haben, kann ich nicht sehen, ob die Schlange schläft. Würde ich sie im Schlaf packen, könnte sie sich erschrecken und mich beißen. Und das muss ja nicht sein“, erklärt er fachmännisch. Wenig später liegt der Handschuh wieder in der Schublade, die Schlange windet sich um den Arm des Schülers.
Seit neun Jahren beschäftigt sich der Junge mit den Tieren. Markus war gerade fünf, als er mit seiner Kindergartengruppe in den Walsroder Vogelpark fuhr. Dort gab es eine Sonderausstellung mit Reptilien und Amphibien. Ein Mitarbeiter legte Markus eine Schlange um den Hals. „Von da an redete er nur noch von diesen Tieren“, so Mama Sonja Stegen.
Klar, dass Filius sofort eine Schlange haben wollte. „Mein Mann und ich hatten ihn vertröstet und gesagt, dass er in der Schule erstmal lesen lernen solle. Dann könne er alles Wissenswerte über Schlangenhaltung in Erfahrung bringen“, lächelt Sonja Stegen. In der dritten Klasse besorgte sich Markus entsprechende Lektüre und legte Geld für das erste Terrarium zur Seite. Als er zehn Jahre alt war, konnten die Eltern nicht mehr zurück.
Dass es Kornnattern wurden, war eher Zufall. „Die gefielen mir einfach, da sie unterschiedliche Färbungen haben. Ich hätte auch gerne einen Königspython gehabt“, grinst Markus. Heute, vier Jahre später, gleicht Markus‘ Kinderzimmer einer Zoohandlung. An einer Wand stehen acht selbst gebaute kleine Holzterrarien. Dazu kommen zwei mittelgroße und zwei in der Größe von Kleiderschränken. „Die habe ich alle mit meinem Vater gebaut“, berichtet Markus.
Hier tummeln sich zwei große, zwei halbwüchsige sowie zwölf kleine Kornnattern, denn Markus ist unter die Züchter gegangen und war schon auf Börsen in Verden und Bad Fallingbostel mit einem Stand vertreten. Zudem ist er aktives Mitglied der Terraristik-Abteilung des Verdener Aquaristik-Vereins.
Das Hobby ist aus der Familie nicht mehr wegzudenken. Als die ersten Schlangeneier im Brutkasten lagen, musste die Oma aufpassen, ob die Schalen aufbrechen. „Wir waren nämlich im Urlaub und hätten diesen sofort abgebrochen“, sagt Sonja Stegen.
Einmal in der Woche werden die Kornnattern mit Mäusen gefüttert, eine Prozedur, die drei Stunden in Anspruch nehmen kann. Alle drei Wochen werden die Terrarien einer gründlichen Reinigung unterzogen. „Ich sitze oft vor den Scheiben und beobachte die Tiere. Oder ich nehme eine Schlange auf den Arm und lasse sie auf mir herumkriechen. Zu diesen Tieren kann man Beziehungen aufbauen“, erklärt der 14-Jährige, der seine Lieblinge schon mit in die Schule genommen und den Biologie-Unterricht an der Rethemer Heinrich-Christoph-Londy-Schule bereichert hat.
Markus hat noch einiges vor. Nach dem Hauptschulabschluss möchte er an die Realschule wechseln und später Polizist werden. Auch in Sachen Hobby liegen bereits Pläne in der Schublade. „Ich hätte gerne Pfeilgiftfrösche“, schwärmt er. „Die kannst du erst haben, wenn du hier ausgezogen bist“, so die Mutter.
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