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 Jurassic Park am Englischen Garten

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Barti
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BeitragThema: Jurassic Park am Englischen Garten   Mi 5 Mai - 11:10

Im Büro von Stationsleiter Markus Baur sieht es aus wie im Dschungel. Bis unter die Decke stapeln sich Terrarien mit Schildkröten, Schlangen und sonstigen Reptilien. Darum herum stehen einige Pflanzen. Dazwischen hat Baur seinen Arbeitsplatz mit Computer und Telefon aufgeschlagen. Nicht ein einziger weiterer Gegenstand würde in diesen Raum passen. Und auch in den anderen Räumen bietet sich ein ähnliches Bild: Bayerns einzige lizenzierte Reptilienauffangstation hat 15 Jahre nach ihrer Entstehung längst die Grenzen ihrer Kapazität erreicht.
1000 Tiere untergebracht
Derzeit leben rund 1000 Reptilien in der Einrichtung an der Kaulbachstraße am Englischen Garten in München. "Meist ist es ein repräsentativer Querschnitt dessen, was der bayerische Zoohandel so hergibt", sagt Baur. Aber manchmal könne man auch gewisse Modetrends erkennen. "Nachdem Jurassic Park in den Kinos lief, wurden Tausende Leguane verkauft, und später dann abgegeben." In der Station leben auch viele gefährliche Tiere. Denn in ganz Deutschland gibt es nur sehr wenige Einrichtungen, die überhaupt gefährliche Reptilien annehmen, und die in München ist eine davon. Der gefährlichste Bewohner derzeit ist eine Schlange, die mit ihresgleichen im Giftschlangenraum eingesperrt ist. "Ein Biss von ihr, und zwei Wochen später bist Du tot", sagt Baur. "Es gibt kein Gegengift."

Die meisten Tiere stammen aus Beschlagnahmungen: Behörden haben Reptilien, die wegen des Artenschutzgesetzes, des Tierschutzgesetzes oder wegen ihrer Gefährlichkeit eigentlich nicht in Deutschland gehalten werden dürfen, ihren Besitzern weggenommen. Viele Tiere werden auch gefunden und von der Feuerwehr, der Polizei oder Passanten in der Station abgegeben. "Das kommt vor allem im Sommer vor", erklärt Baur. "Da sind die Tiere entweder draußen und hauen dann ab, oder sie werden ausgesetzt." Einige Menschen geben auch selbst ihre Reptilien in der Station ab.

Für Baur gibt es drei Sorten von "Terrarianern", wie er die Reptilienfans nennt: Erstens "den Idioten, der sich das Tier kauft und dann keinen Bock drauf hat", zweitens diejenigen, die ihre Tiere über Jahre gut halten und denen die Station auch welche vermitteln kann und drittens die "Laufkundschaft im Gartencenter, die nicht weiß, was sie sich da eigentlich holt". Oft würden Letztere auch falsch beraten. Baur erinnert sich an den Fall einer Familie mit Leguan: Plötzlich war das männliche Tier – wider Erwarten – zwei Meter lang und terrorisierte alle, weil es beispielsweise nicht einsah, dass noch jemand außer ihm auf dem Sofa sitzen wollte.

Die Mitarbeiter der Auffangstation versuchen, möglichst viele Tiere an Reptilienfreunde abzugeben. Wer ein Tier adoptieren möchte, muss sich mit einer Selbstauskunft bewerben. Bei besonders wertvollen und schwierig zu haltenden Reptilien sprechen die Mitarbeiter gezielt Leute an, die sie kennen, oder versuchen, sie in Zoos unterzubringen. Aber nicht alle Tiere dürfen sie vermitteln. Das Bundesartenschutzgesetz verbietet es. Deshalb müssen einige bis an ihr Lebensende in der Station bleiben. So zum Beispiel die Geierschildkröte Eugen, die auch als "Ungeheuer vom Loch Dornach", einem Ort bei München, durch die Medien ging, bis sie von der Feuerwehr eingefangen und in die Station gebracht wurde.

Die Reptilienstation ist zudem eine der wenigen Weiterbildungsstätten für Fachtierärzte in Deutschland. Die Mitarbeiter – vier Tierärzte, drei Tierpfleger und einige Ehrenamtliche – therapieren alle Reptilien der Station selber, von der Entwurmung über die Kastration bis hin zur Knochen-Operation. Ihr Wissen geben sie regelmäßig weiter. So zeigen sie Feuerwehren, wie man mit Reptilien umgeht, oder bereiten Stabsveterinäre der Bundeswehr auf ihre Einsätze in Afghanistan vor. Denn dort kommen in den Lagern öfter mal Giftschlangen vorbei, die dann eingefangen werden müssen.

Umzug unausweichlich

Aber auch für Laien lassen sich die Mitarbeiter der Station einiges einfallen: Es gibt Führungen, Patenschaften, Fotoworkshops, Beratung. Denn das Geld in der Station ist meist knapp. Zwar wird sie seit 2008 vom Freistaat Bayern gefördert und ist seitdem auch ein Verein, aber einen Teil der Mittel muss sie selbst erwirtschaften. Und schließlich steht auch noch ein größeres Projekt an: "Mittelfristig werden wir hier ausziehen müssen", erklärt Baur. Denn der Station fehlt nicht nur Platz, sie blockiert auch Räume, die eigentlich der Universität gehören.


Von Tina Nachtmann

Noch ist es eher klein: Der Leiter der Reptilienauffangstation in München, Markus Baur, zeigt Kaiman-Baby. Wenn es ausgewachsen ist, wird es zwei Meter lang sein. In der Station leben allein 15 von seinen Artgenossen. - Foto: Nachtmann
Quelle
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Jurassic Park am Englischen Garten

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