Seelow (moz) Es sieht so niedlich aus, wenn ein kleines Krokodil in der Badewanne schwimmt. Reptilien sind als Haustiere angesagt. Auf artgerechte Haltung und einen entsprechenden Umgang wird nicht immer geachtet. Und auch die Möglichkeit einer Salmonelleninfektion ist nicht allen Haltern bewusst.

Wenn der kleine Leguan über den Teppichboden im Wohnzimmer flitzt, quietschen die Kinder vor Begeisterung. Nur kurze Zeit später robben sie selbst über den Fußboden. Mit ihren kleinen Patschehändchen fassen sie sich anschließend ins Gesicht. Das ist nur ein Szenario, wie Kinder mit Salmonellen, die sich auf der Haut der Tiere befinden können, in Berührung kommen.
Mehr als 25 Prozent der Kinder unter fünf Jahren in Deutschland, die im letzten Jahr Salmonellenerkrankungen hatten, holten sich diese über Reptilien. Was folgt ist oft starker Durchfall, durch den die Kinder dehydrieren. „Weil speziell Säuglinge den Ausgleich nicht schaffen, sind schon Stunden entscheidend“, sagt Amtsarzt Steffen Hampel. In den USA und in Großbritannien gab es bereits Todesfälle. Neben den Durchfallerkrankungen kann es in Einzelfällen zu Blutvergiftungen kommen. Dabei können auch andere Organe angegriffen werden.
Salmonellen werden in erster Linie mit rohen Eiern und Fleisch in Verbindung gebracht. Durch das Einhalten der Kühlkette und richtiges Garen kann hier Einhalt geboten werden. „Die Erkrankungen sind über die Jahre zurückgegangen. Nur bei Kindern unter zwei Jahren steigen die Zahlen erheblich. Bei der Suche kam man auf einen gemeinsamen Nenner: Reptilien“, sagt Hampel. Er erfuhr davon bei einer Fortbildung im Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin von Kollegen des Robert Koch-Institutes. „Jetzt gilt es, aufzuklären.“
Im Frankfurter Zoofachgeschäft Dieter Mittelstädt in den Lenné-Passagen ist man sich der Möglichkeit von Salmonellen bewusst. „Wir erklären den Kunden, wie man Schildkröten, Schlangen und andere Reptilien richtig hält. Dazu gehört das Händewaschen nach dem Anfassen“, sagt Renate Mittelstädt. Sie weiß, dass auch äußerlich gesund erscheinende Tiere Salmonellen haben können und diese ausscheiden. „Nur eine Stuhlprobe schafft Gewissheit.“ Doch nur ein geringer Teil der in den Haushalten lebenden Tiere kommen direkt aus dem Fachgeschäft. Im Internet boomt der Markt mit privaten Nachzüchtungen. Bartagamenbabys sind schon für zehn Euro zu haben, Kornnattern und Geckos wechseln ab 30 Euro den Besitzer.
Auch der Gang über die Grenze, wo auf Märkten leicht Schildkröten erworben werden können, die in Deutschland meldepflichtig sind, ist schnell gemacht. Selbst bei niedrigen Temperaturen krabbeln die kleinen Reptilien umher. „50 Euro, guter Preis!“ heißt es auf dem Markt. Über Krankheiten wie Salmonellen weiß der Verkäufer in Kostrzyn nichts.
„2007 wurden am Flughafen in Frankfurt am Main 600 000 Reptilien-Importe registriert“ sagt Amtsarzt Steffen Hampel beeindruckt. „Da ist Prävention wichtiger denn je. Ärzte, Züchter und Zooläden müssen umfassend informiert sein und die Halter aufklären.“
Durch Comics und Filme werden die Tiere verniedlicht. Kinder kuscheln und küssen ihre „kleinen Saurier“ auf Kinderfesten, im Urlaub oder bei Veranstaltungen in Einkaufszentren. „Es gibt keine Berührungsängste mehr. Wir müssen den Umgang schärfen. Reptilien gehören ins Terrarium“, sagt Hampel.
• Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko, z. B. Kinder unter fünf Jahren, sollten Kontakt mit Reptilien meiden.
• Die Tiere haben im Gesicht nichts zu suchen.
• Reptilien sollten sich nicht in Wohnungen frei bewegen, in denen sich Kleinkinder aufhalten.
• Reptilien nicht in Küchen baden. Auch Futterschalen und Käfige nicht hier reinigen.
• Vermeidung von Essen und Trinken in der Nähe der Käfige.
• Nach dem Kontakt mit Reptilien die Hände gründlich reinigen.
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