„Irgend so ein Tier.” Das Mädchen, vielleicht zehn Jahre alt, hat eben eine Kragenechse durch die Scheibe eines Terrariums fotografiert. Überhaupt blitzt es an diesem Sonnabend auffallend oft in der Nordseehalle. Warum, wird schnell klar: Die Ausstellung „Tropia” präsentiert viele hierzulande selbst in Zoos eher selten gezeigte Tiere.
Rund 200 Reptilien, Amphibien und Spinnentiere sitzen in ihren Behältnissen aus groben Spanplatten und Glasscheiben. Die sich kräftig vermehrenden Insekten wie Stabheuschrecke oder das Wandelnde Blatt werden schon nicht mehr gezählt, sagt Carol Lauenburger, einer der Aussteller.
Die Schaukästen sind großzügig gestellt, alles wirkt penibel sauber. Das einzige, was man riecht, ist das Popcorn, das die Frauen der Tierbesitzer an einem Stand zubereiten. Dort liegen auch haufenweise Schlangen, Schildkröten und Spinnen, meist aus Silikon, aber auch aus Stoff. Kleinere Exemplare kosten 1,50 Euro, die größeren gibt es für fünf Euro.
„Die Nachfrage nach solchen Gummitieren ist groß”, sagt Lauenburger. „Die Kinder wollen gerne etwas mitnehmen.” Und tatsächlich: Immer mehr Mädchen und Jungen überzeugen auch an diesem Tag ihre Eltern vom Nutzen einer Silikon-Natter oder einer flauschigen Vogelspinne.
Carol Lauenburger (33), gelernter Tierpfleger, ist einer von drei Tierbesitzern, die sich zusammengetan haben und Ausstellungen wie diese organisieren. Seit fünf Jahren machen sie das. Ihre Zentrale ist in Suckow bei Schwerin, wo sie sich auf einem ehemaligen LPG-Gelände einquartiert haben und die Tiere die meiste Zeit des Jahres verbringen. Dort werden sie auch gezüchtet. All die Exoten mit den noch exotischeren Namen stammen aus eigener Züchtung und nicht aus zweifelhaften Importen. Brillenkaiman, Algerischer Feuersalamander, Gelbkehlschildechse, Stirnlappenbasilisk, Blauzungenskink, die Farbige Dornschwanz-Agame oder der Landeinsiedlerkrebs - sie alle sind in Deutschland zur Welt gekommen.
Die Besitzer tun nach eigenem Bekunden eine Menge für ihre Schlangen - unter anderem Tiger Python, Boa constrictor und Kornnatter - und für ihre Vier- und Achtbeiner. So ist der Lastwagen, mit dem die Tiere transportiert werden, mit einer Zentralheizung ausgestattet, die über ein Zwölf-Kilowatt-Notstromaggregat läuft. Auch sind die Terrarien während der Fahrt ständig beleuchtet. Außerdem richte man großes Augenmerk darauf, welche Tiere für eine Ausstellung geeignet sind, damit sie nicht übermäßig gestresst werden. Bei Vorführungen alle paar Stunden können sich die Besucher davon ein Bild machen und auch das eine oder andere Tier berühren. Wie die Spornschildkröte, die auch in einem kleinen Freigehege in der Halle immer mal wieder nach Salatblättern schnappt. Die drittgrößte Landschildkröte übrigens, auf 60 Zentimeter in den ersten zehn Jahren bringt sie es und auf einen Meter bis zum Ende ihres maximal gut fünf Jahrzehnte währenden Lebens.
Giftschlangen haben Lauenburger und seine Kollegen nicht. Und von den Vogelspinnen sei die giftigste etwas giftiger als eine Wespe. Kaum zu glauben, wenn man eine der fetten Brasilianischen Riesenvolgespinnen sieht.
Keine Tüten mehr
Wer Reptilien & Co. im großen Stil ausstellt, ist an strenge Auflagen gebunden und muss seine Befähigung mit einer Prüfung nachweisen. Lauenburger, dessen Eltern einst eine Show mit Haien hatten, führte früher Tiere im Schulunterricht vor. Mit drei, vier Exemplaren habe man locker drei Schulstunden füllen können. Lauenburger zuckt mit den Schultern: „Aber so viel Unterricht haben die Kinder heute ja gar nicht mehr.”
„Sehr gerne” würde Carol Lauenburger noch einmal nach Emden kommen. Mit den Besucherzahlen ist er zufrieden. „Allein am Sonntag waren es etwa 500.” Schon vor Ende der zweitägigen Show gibt es keine Popcorntüten mehr.
Veröffentlicht am 26.04.2010.
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