Das Tierheim Winkwitz eröffnet eine Station für Reptilien. Die Nachfrage nimmt zu. Den Haltern werden ihre Exoten häufig zu gefährlich und groß.
Die Unbeweglichkeit des Nilwarans im Terrarium des Tierheims Meißen-Winkwitz täuscht. Leiter Mario Assmann musste vor einigen Tagen mit ansehen, wie der giftige Waran seinen ahnungslosen Halter zu Hause ansprang und sich in dessen Lippe verbiss.
Der Mann aus Erfurt hatte das Tier illegal erworben. Jetzt wollte er es über das Internet weiterverkaufen. Dadurch wurden die Tierfreunde aus Meißen-Winkwitz auf das gefährliche Haustier aufmerksam. Sie holten den Waran in ihre neue Artenschutzstation, die am 16.April in Betrieb gehen soll.
„Die Echse ist jetzt beschlagnahmt und Eigentum des Freistaats Sachsen. Weiterverkauft wird sie natürlich nicht“, sagte Tierheimchef Assmann gestern bei einem Besuch der SZ vor Ort.
Die Winkwitzer Tierfreunde beobachten seit Jahren mit Sorge den Trend zum Exoten im Wohnzimmer. Da das Halten von Kampfhunden schwieriger geworden sei, würden Menschen mit extremen Vorlieben neuerdings auf Schlangen, Echsen oder Spinnen ausweichen. Der Reiz des Exotischen werde allerdings schnell durch die Alltagssorgen entzaubert, sagt Assmann. Die Tiere wachsen ihren Haltern im wahrsten Sinne des Wortes über den Kopf. Sie werden zu groß oder zu gefährlich. Oft gehen die Besitzer dann den Weg des geringsten Widerstandes und setzen die Tiere aus. Erst vor wenigen Tagen hat Assmann mit seinen Kollegen eine 1,70 Meter lange Erdnatter aus Dresden abgeholt. Dort wurde sie samt teurem Terrarium in einem Park gefunden.
Gesetze lassen Lücken
Partner beim Aufbau der Meißner Artenschutzstation ist der Verein Aktion Tier. Die bundesweit aktive Tier- und Artenschutzaktion macht Gesetzeslücken für den laxen Umgang mit Echsen und Schlangen verantwortlich. So sei das private Halten von gefährlichen Exoten lediglich in sechs von 16 Bundesländern verboten
„Auch in Nordrhein-Westfalen, wo gerade in Mühlheim an der Ruhr eine hochgiftige Kobra entwichen ist, gibt es keine gesetzliche Gefahrentierregelungen“, kritisiert Ursula Bauer von der Aktion Tier in Berlin. Deshalb fehlten zuverlässige Aussagen über die Anzahl der gehaltenen gefährlichen Exoten oder über die Häufigkeit und Schwere von Unfällen. „Von gefährlichen Wildtieren geht eine beträchtliche Gefahr auch für Dritte oder Rettungspersonal aus“, so Ursula Bauer. Aktion Tier fordere ein generelles Verbot der Exotenhaltung in Privathand.
Bevor es soweit ist, sieht der Winkwitzer Tierheimchef Marion Assmann noch jede Menge Arbeit auf seinen Verein zukommen. Es gebe erste Nachfragen von Behörden wie dem Zoll, die sich für Plätze in der Artenschutzstation interessierten. Bislang müssten beschlagnahmte Tiere oft in nicht artgerechten Verhältnissen untergebracht werden. Auch personell sind die Winkwitzer auf ihre neue Aufgabe gut vorbereitet. Zwei Tierpfleger würden derzeit im Leipziger Zoo für den Umgang mit gefährlichen Exoten geschult, so Assmann.
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Liebe Grüsse eure Michaela