Thomas Stutzbach musste seiner Frau vor acht Jahren eines versprechen: "Keine Giftschlangen." Also präsentierte der Olberslebener am Wochenende in der Ilmenauer Festhalle ausschließlich ungefährliche Spezies. Boas, Nattern, Vogelspinnen, Skorpione - und Orchideen.
Ilmenau. "Sie müssen das Tier im Winter mindestens sechs Wochen in einen kühlen Raum unterbringen. In freier Natur halten sie auch Winterstarre." Ausführlich berät Stutzbach eine Mutter, die sich mit dem Gedanken trägt, für ihre Tochter eine Griechische Landschildkröte zu erwerben. Und das sei genau das Problem in vielen Zoohandlungen. "Die sitzen im Winter im Laden und denken es sei immer noch Sommer." Stutzbach könnte vermutlich Stundenlang über die Haltungsbedingungen von Reptilien referieren - und das seit früher Kindheit. "Ich bin erblich vorbelastet. Mein alter Herr hält seit -zig Jahren Reptilien." Längst hat er das Hobby übernommen - und es zum Leiter der Thüringer Terrarien Interessengemeinschaft (TTIG) gebracht. Auch nimmt er Sachkundeprüfungen im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde sowie dem Verband Deutscher Vereine für Aquarien- und Terrarienkunde ab.
"Reptilia-Orchidea", mit der er bereits zum sechsten Mal in der Festhalle gastiert, ist daher nicht nur eine Verkaufsmesse. Viel mehr soll die Schau informieren, aufklären und Vorurteile abbauen. "Nicht alle Schlangen sind nass, glitschig und giftig." Und nicht jede Orchidee benötige tropische Temperaturen, um sich wohl zu fühlen.
Diesem Gedanken folgend holt er seine Abgottschlangen, Königsnattern oder Rotbein-Vogelspinne auf Wunsch auch gerne aus den Terrarien heraus, setzt sie den Besuchern auf die Hand, oder legt sie ihnen um den Hals. "Die Resonanz ist nicht toll, aber ausreichend", sagt der 35-jährige, der im Hauptberuf im KfZ-Gewerbe selbstständig ist. Als besonders vorteilhaft habe sich vor einigen Jahren die Entscheidung erwiesen, Orchideen und Reptilien gemeinsam auf Ausstellung zu schicken. Amüsiert registriert er seitdem, wie die Familien gemeinsam die Hallen betreten, sich dann aber recht schnell teilen. "Die Frauen hin zu den Blumen, die Männer mit den Kindern zu den Tieren." Im Grunde genommen hätten Schlangen und Orchideen ja nichts miteinander gemeinsam. "Es ist die Exotik, die die beiden Teile der Ausstellung verbindet." Und oft genug sei es am Ende des kleinen Rundganges so, dass die Weiblichkeit bei den Reptilien regelrecht hängen-bleibe, und die Männer beginnen sich für die Orchideenaufzucht zu interessieren." Informationstafeln neben den Terrarien und Blumentöpfen sorgen dabei für erste Orientierung. Weitergehende Fragen können mit dem halben Dutzend Experten geklärt werden, die mit Stutzbach die Schau bestreiten. Immer wieder komme es auch vor, dass Besucher ihre Lieblinge gleich mitbrächten - und sich für kränkelnde oder schwächelnde Pflanzen beziehungsweise Tiere Tipps sowie Diagnosen erhoffen.
Der Verkaufsaspekt einer solchen Schau tritt dabei fast schon in den Hintergrund. Notwendig ist er dennoch. Schließlich muss die Hallenmiete bezahlt werden. Und die zum Teil üppigen Nachzuchten der erfolgreichen Terrarienfreunde müssen schließlich auch raus aus den heimischen Kellern und Wohnzimmern. Doch um jeden Preis, sagt Stutzbach, verkaufe er nicht. "Heute ist es ja so, dass viele Kinder sich hinstellen, und ihren Eltern unmissverständlich klarmachen, dass sie eine der eben erst gesehenen Schlangen oder Nattern mit nach Hause nehmen wollen." Wenn er das Gefühl habe, Mutter oder Vater lassen sich breitschlagen, dann führe er eben ein Nicht-Verkaufs-Gespräch: "Man kann die Leute für etwas begeistern, aber genauso gut ihnen auch etwas madig machen."
Matthias Thüsing / 22.03.10 / TA
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