Ob aus echter Liebe zu den Tieren oder als Abschreckung für die Schwiegermutter: Immer mehr Saarbrücker halten Reptilien, sagt die Berufsfeuerwehr. Für sie werden die Tiere bei Einsätzen zum Problem.
Die Sache mit dem Hamster war eine Meisterleistung. Ein Beweis dafür, dass Feuerwehrleute es sehr ernst meinen mit der Lebensrettung. Und ein Beweis dafür, dass Feuerwehrleute blitzschnell improvisieren können. Wie bei diesem Hamster, den Männer der Saarbrücker Berufsfeuerwehr bei einem Brandeinsatz reglos am Boden seines Käfigs liegen sahen. Sie bastelten aus einer Plasikflasche schnell ein "Sauerstoffzelt" - der Hamster überlebte.
Das Problem für die Einsatzkräfte von der Feuerwehr, die oft schnell in fremde Wohnungen müssen: Dort warten nicht nur Hamster, sondern unter Umständen auch gefährliche Tiere - Schlangen, kleine Krokodile, pelzige Spinnen. "Was die Kollegen bei ihren Einsätzen erwartet, lässt manches Liebhaberherz höher schlagen oder bei manch einem auch kalte Schauer über den Rücken laufen: Schlangen, exotische Spinnen, Amphibien, Ameisen, es gibt scheinbar nichts, was sich die Leute nicht als Haustiere halten", sagt Michael Theobald, der Sprecher der Berufsfeuerwehr.
Ob es an der Nachlässigkeit einiger Amphibienhalter liegt oder an der Geschicklichkeit der Tiere - immer öfter werde die Feuerwehr gerufen, weil diese Tiere "durch einen offenen Spalt in die große weite Welt ziehen", sagt Theobald. Die Berufsfeuerwehr hat deshalb einen Rettungswagen speziell für tierische Einsätze ausgestattet. Im Fahrzeug gibt es Fangstäbe mit Schlingen; bissfeste Schutzkleidung, Maulkörbe, Hebegeschirre, Transportboxen, eine Transporttrage.
Weil hinter den Türen nicht nur womöglich bissige Hunde auf die Einsatzkräfte warten, wurden Feuerwehrleute neulich im Saarbrücker Zoo im Umgang mit Reptilien geschult. Rund um die Uhr stehen für den Spezial-Einsatzwagen zwei Feuerwehrleute bereit, die sich mit Tieren auskennen.
Norbert Schwarz ist einer von ihnen. "Viele Haustierhalter plaudern lieber mit ihrem Leguan als mit einem Wellensittich. Und hinter einer dicken Plexiglasscheibe lassen sich problemlos Vogelspinnen und Giftschlangen präsentieren - sei es aus tatsächlicher Zuneigung oder um die Schwiegermutter fern zu halten", sagt der 59-Jährige, der selbst zwei Kornnattern zuhause hält.
"Im Notfall müssen wir jedoch damit rechnen, dass diese Tiere auch in einem brennenden Haus frei rumlaufen", sagt Roland Demke, der Chef der Berufsfeuerwehr. Für solche Situationen gebe es keinen Fahrplan. Nur eine Regel, sagt Norbert Schwarz: "Eigenschutz ist das A und O - und immer reichlich Abstand." Und improvisieren, wie beim Hamster.
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