FRANKFURT/ODER – Durchfall weil Papa Schildkröten, Echsen und Schlangen mag: Im Haus gehaltene Reptilien gewinnen zunehmend Bedeutung als Überträger schwerer Salmonelleninfektionen, vor allem bei Babys und Kleinkindern
Etwa 50 bis 90 % aller Reptilien sind Salmonellenausscheider. Tiere aus Zoohandlungen sind mit knapp 89 % sogar noch häufiger betroffen als Wildtiere mit 59 %, warnt Professor Dr. Werner Handrick vom Institut für Medizinische Diagnostik in Frankfurt an der Oder. Nachgewiesen wurden die Erreger u.a. bei Schildkröten, Leguanen, Salamandern, Eidechsen und Schlangen.
Durch direkten (oder indirekten) Kontakt mit diesen Tieren können Menschen sich eine Salmonelleninfektion einfangen. Man geht davon aus, dass 3–7 % aller menschlichen Salmonellosen von Reptilien übertragen wurden, schreibt Prof. Handrick. Dabei reicht mitunter schon der Besuch einer Reptilienschau.
Betroffen sind vor allem Kleinkinder, Säuglinge und Neugeborene. Da man den jüngsten Familienmitgliedern die Schildkröte wahrscheinlich nicht mit in die Wiege legt, erfolgt die Übertragung hier am ehesten über die Hände der anderen Familienmitglieder.
Auch Schildkröten sind nichts für Kleinkinder
Die meisten der ansonsten gesunden Kinder erkrankten mit einer Enteritis bzw. Enterokolitis, die z.T. so schwer verlief, dass sie stationär behandelt werden mussten. Ernste Komplikationen wie Blutvergiftung, Hirnhautentzündung, Milzabszess, Weichteilinfektionen, Osteomyelitis (Entzündung des Knochenmarks) und eitrige Gelenkentzündungen sind ebenfalls beschrieben. Auch tödliche Verläufe traten auf.
Die einzig wirksame Vorbeugung ist die Verhinderung von Kontakten zu Reptilien. Haushalte mit kleinen Kindern sollten also möglichst reptilienfrei sein. Eine antibiotische Therapie der Salmonellen-ausscheidenden Schlangen, Kröten und Echsen wird derzeit nicht empfohlen, da das Risiko einer Resistenzentwicklung zu groß wäre.
Werner Handrick et al., internist prax 2009; 49: 919–922
Quelle