Geckos, Kornnattern und Bartagamen: Immer mehr Tierfreunde halten sich Reptilien als Haustiere. «Das ist eindeutig ein Trend», sagte Biogeograf Stefan Lötters, Wissenschaftler und Dozent an der Universität Trier.
Reptilien seien oft einfacher zu pflegen als Hunde und Katzen. «Mit einem Anolis (Leguanartiger) muss man nicht dreimal am Tag rausgehen und ihm auch keine Liebe schenken», sagte der Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde. Gegen die artgerechte Haltung von Reptilien sei nichts einzuwenden. «Im Gegenteil. Jugendliche können so einen Sinn bekommen für Natur- und Artenschutz», sagte Lötters.
Problematisch werde es aber, wenn ein Reptilienliebhaber auf der Suche nach besonders seltenen Arten sei. «Dann werden auch mal Exoten illegal im Koffer importiert», mahnte der Experte. Begehrt seien da beispielsweise Chamäleons und Taggeckos aus Madagaskar oder Tannenzapfen-Echsen aus Australien. Immer wieder würden «Liebhaber» beim Tier-Schmuggel erwischt. «Leider» gebe es auch in Deutschland einen «relativ großen Markt» für jene Tiere, bei denen die Einfuhr aus Artenschutzgründen verboten ist.
Ein noch größerer Schaden entsteht nach Angaben von Lötters durch den Handel mit Häuten: Jedes Jahr würden weit über 100 000 Krokodil- und Waran-Häute aus Afrika und Asien in die EU eingeführt. «Darunter sind riesige Mengen, die illegal gefangen und getötet worden sind und nicht aus Zuchtfarmen stammen», sagte der Wissenschaftler. Die Häute würden weiterverarbeitet etwa zu Schlangenstiefeln oder Krokodiltaschen. Auch die Zerstörung der natürlichen Lebensräume, etwa durch die Vernichtung der tropischen Regenwälder und das damit verbundene Artensterben, sei ein großes Problem für die Reptilien.
Eine Reptiliengruppe sei derzeit ganz besonders gefährdet: die Schildkröten. «Das liegt unter anderem daran, dass Schildkröten in Südostasien oben auf der Speisekarte stehen», sagte Lötters. In solchen Mengen, wie sie dort verzehrt werden, könnten sie sich kaum vermehren. Weltweit seien derzeit die Hälfte aller Schildkrötenarten unmittelbar vom Aussterben bedroht.
Giftschlangen sollten nur von sehr erfahrenen und verantwortungsvollen Pflegern gehalten werden, sagte Lötters. «Das Terrarium muss abschließbar sein und ein Gegengift muss parat stehen.» Wenn man sich wirklich solch ein Reptil anschaffen will, muss man sich grundsätzlich fragen warum. «Bei manchen löst das scheinbar einfach einen Kick aus, solch ein Tier zu haben.» Lötters befürwortete, dass Halter von Giftschlangen eine Art Führerschein vorweisen müssten, um sich dafür zu qualifizieren.
Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde: www.dght.de
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