Im alten Quecksilberbergwerk herrschen optimale Bedingungen für Tiere aus Naturstation
Vom 12.11.2008
FEILBINGERT/BAD MÜNSTER AM STEIN-EBERNBURG "Die Winterreise" - ein Stück, das die Naturstation "Lebendige Nahe" im Kurmittelhaus Bad Münster und der Schmittenstollen geschrieben haben, hatte jetzt Premiere.
Von
Beate Vogt-Gladigau
Akteure waren Feuersalamander, Schildkröten, Nattern und Echsen. Als "Kulissenschieber" bewährten sich Hans-Joachim Gellweiler, Leiter der Naturstation, Kevin Montigny vom Stollen-Team und Erster Stadt-Beigeordneter Ralf Rauschenplat.
Das Trio schickte die lebendige Fuhre auf einem Bergwerks-"Hund" über die Schienen in die Grube und in einen Seitenstollen, wo Reptilien und Amphibien bei idealen Bedingungen in Terrarien und Bottichen unter Tage bis zum Frühjahr überwintern.
Im Quecksilberbergwerk herrschen über die Wintermonate konstante günstige vier bis fünf Grad Celsius, so Dr. Hartmut Wilke. Der Vorsitzende des Trägervereins der Naturstation betonte außerdem: "Die hohe Luftfeuchtigkeit im Stollen verhindert, dass die Tiere austrocknen." Eine solch perfekte Situation hätte andernfalls nur mit viel Aufwand geschaffen werden können.
In regelmäßigen Abständen wird Gellweiler überprüfen, ob Amphibien und Echsen noch wohlgeborgen unter feuchtem Moos vom Frühling träumen oder die Rotwangenschmuckschildkröten in der abgedunkelten Zementwanne zwischen treibenden Eichenblättern schlummern.
Aktiv hat Gellweiler auch vorgesorgt, damit Bitterlinge und Teichmuscheln gut über den Winter kommen. Sie verbringen die kommenden Monate in einem gegen Frost geschützten Gartenteich.
Die Naturstation im Kurpark von Bad Münster hat in der Saison 2008 mit über 6000 Besuchern Erfolgsgeschichte geschrieben. "Niemand hat mit einem so großen Echo gerechnet", freut sich Wilke. Dieser Erfolg hat aber auch so einige Väter und Mütter gehabt, betont Wilke und meint damit nicht zuletzt die Stadt unter dem Rheingrafenstein. Ihren "Respekt vor der Naturstation" hätten sie durch einen "sehr projektfördernden" Mietvertrag zum Ausdruck gebracht. Im Klartext bedeutet dies, dass für die Startphase in 2007 auf die Berechnung der Nebenkosten verzichtet wurde, wie Erster Stadtbeigeordneter Ralf Rauschenplat der AZ sagte. Auch die Pauschalmiete ist so günstig angesetzt, dass Wilke "sehr zufrieden" ist. Sie wächst aber mit den Einnahmen der Naturstation, so Rauschenplat. "Wir sind alle daran interessiert, dass die Naturstation Erfolg hat". Rauschenplat vergleicht die Partnerschaft mit einer Win-Win-Situation. Besucher finden durch die Naturstation eine weitere Attraktion in der Stadt, und der Trägerverein kann die Einnahmen in den weiteren Ausbau investieren. Das letzte Wort zum Mietvertrag hatte gestern Abend der Stadtrat.
Dankbar sind Wilke und Gellweiler für das Entgegenkommen von Bergwerkspächter René Fandel, der ihnen einen der Stollengänge für das tierische Winterunternehmen überlassen hat. Daraus könnte sich aber auch eine weiterführende Zusammenarbeit entwickeln. Die Naturstation plant Lehrpfade zu den Themen Natur und Kultur. Dazu gehört auch der Bergwerksbau, den schon die Kelten in der hiesigen Gegend betrieben haben.

Zum Überwintern sind die Tiere aus der Naturstation "Lebendige Nahe" in einen Seitenstollen des Quecksilberbergwerks umgezogen.Fotos: Beate Vogt-Gladigau

Auf einem Bergwerks-"Hund" schicken (von links) Ralf Rauschenplat (Erster Stadtbeigeordneter), Kevin Montigny vom Schmittenstollen-Team und Hans-Joachim Gellweiler (Leiter der Naturstation) Salamander, Nattern und Co. auf die Winterreise. az