Einige Anmerkungen zur Haustierpolitik der Familie M.
Alles, was in meiner Familie mit Haustieren zu tun hat, folgt stets zwei goldenen Regeln.
Erstens: Wer kuschlig ist, ist klar im Vorteil. Genauer gesagt sind wir alle felltierbesessen, je weicher, desto besser. Zu unseren Schildkröten konnten wir wohl deshalb nie eine rechte Beziehung aufbauen (sie ertränkten sich im Gartenteich). Und unsere Nymphensittiche Maxi und Lisa führten auch eher ein Schattendasein. Hasen, Mäuse, Hamster und Katzen mussten wir dagegen dauernd angrabbeln, so sehr hatten wir sie in unser Herz geschlossen.
Zweitens: Über die Jahre wurden wir immer netter zu unserem Getier. Die ersten Hasen, die mein Vater von einem Kleintiermarkt aus der Umgebung mitbrachte, waren noch in erster Linie als Biofleisch für den Kochtopf bestimmt. Bis es soweit war, hausten sie in Ministällen in die sie Löcher scharrten und hießen immer „Hoppeli“. Als mein Vater ihnen das Holzscheit über den Kopf zog, quiekten sie erbärmlich.
Sowas hält auf die Dauer das härteste Kind nicht aus, weswegen schon bald die ersten reinen Kuschelhasen kamen. Meistens noch Angehörige robuster, fleischreicher Arten, hießen sie bereits Wendy-Monique oder Sharky und saßen verdächtig oft auf Papas Bauch, wenn der fernsah. Der Rest der Familie versuchte, den Hasen irgendwelche Kunststücke beizubringen, doch dazu waren die meisten einfach zu doof.
Einzig und allein Mausi, ein kleines schwarz-weißes Kaninchen, machte unseren Hindernisparcour mit, ging an Leine und ließ sich auf die Nachbarkatzen abrichten. Leider war Mausi nach einer gewissen Zeit auch zu schlau, um sich so einen Blödsinn gefallen zu lassen. Sie wurde unglaublich aggressiv, konnte kaum mehr hochgenommen werden. Irgendwann fing sie auch an, die Nachbarkleinkinder zu attackieren und ... Nunja, meine Eltern haben jedenfalls selten so einen zähen Hasen gegessen.
Mit Mausi ging auch allgemein die familieninterne Hasenära langsam dem Ende entgegen. Wir Kinder waren nun alle der Grundschule entwachsen und man traute uns zu, selbstständig auf Kleintiere aufzupassen. Prompt legten wir uns Mäuse (Legolas, Charlotta Klinsmaus) und dschungarische Zwerghamster (Twinky, Trumann) zu, die leider allesamt noch einen Tick döfer als die Hasen waren. Sprich, sie ließen sich noch weniger dressieren. Vielleicht wären die Hamster etwas kooperativer gewesen, wenn wir sie nicht dauernd aus ihren Nestern ausgegraben hätten, aber hey! bis heute kenne ich wenig süßeres als einen verschlafen blinzelnden Zwerghamster.
Die Zeit verging, die Hamster/Mäuse starben und wir machten unser Abi. Ich hatte keine Tiere während meines Studiums, aber meine eine Schwester fand schnell einen Weg, sich lukrativ und erfolgreich auf ihre Kleintiervergangenheit zurückzubesinnen. Sie und ihr Freund züchteten jetzt Lemminge. Weil Karlchen Fisz dauerbegattete, konnten der Nachwuchs regelmäßig bei Dehner abgestoßen und so Es Studiengebühren kofinanziert werden. Leider war der Lemmingmarkt schneller gesättigt als gedacht: Als Karlchen und Fisz (mit dem goldenen Lemmingmutterkreuz) das Zeitliche segneten, flog dann auch ziemlich schnell ihr Terrarium aus der WG – der Platz wurde jetzt für den Bücherverkauf gebraucht.
K, meine andere Schwester, hatte dagegen kaum Kosten und Nutzen abgewogen, als sie ein schwarzes Knäuel anschleppte. Was damals kläglich maunzte, wurde wenig später zweimal überfahren und kostspieligst notoperiert. Auch verschlang es unglaubliche Mengen an Luxuskatzenfutter und war der reinste Vitaminpastenjunkie. Aber was soll's, Miezis lange und segensreiche Herrschaft nahm auch so ihren Anfang.
Sie hält bis heute an, und ist ziemlich absolut. Schließlich hat Maxi, der Nymphensittich, immer noch kein Fell.
Quelle
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Liebe Grüsse eure Michaela