Das große Krabbeln
Ausstellung zeigt Spinnen und Leguane
ahe Lüneburg. Anastasia und Esra sind mutig. Die sechs und sieben Jahre jungen Mädchen gehen auf Tuchfühlung mit einem Tigerpython. Johanna heißt das Tier, das sich um ihre Schultern schlängelt, ihre Gattung zählt zu den längsten Schlangenarten der Welt. Bis zu acht Meter lang, 150 Kilogramm schwer und 30 Jahre alt kann sie werden. Johanna ist noch jung, sie misst drei Meter und ist ein freundliches Tier, wie Carol Lauenburger versichert. Er ist für alle 270 Tiere verantwortlich, die mit ihm und seinen Kollegen als Wanderausstellung "Die faszinierende Welt der Spinnen" auf Deutschland-Tournee sind. Am Wochenende machten sie Station in Lüneburg.
Vogelspinnen, Boa Constrictors, Anakondas, Geckos, Skorpione, Wüsteneidechsen, Leguane - die Besucher in der Ritterakademie lernten eine Vielzahl Spinnen, Reptilien, Amphibien und Insekten kennen. Natürlich wissen die Veranstalter, dass es auch Kritiker gibt, wenn exotische Tiere in kleinen verglasten Holzkästen zur Schau gestellt werden. Doch sie sind sich sicher: Den Tieren gehe es gut, sie würden gut versorgt und seien an Menschen gewöhnt. Lauenburger: "Alle Tiere wurden in Deutschland geboren und von Menschen großgezogen, die kennen es nicht anders. Ein Tier aus der Wildnis nehmen und in unserer Ausstellung präsentieren - das machen wir nicht und das würde auch nicht funktionieren."
In Suckow im Landkreis Parchim haben die Tiere ihre Heimat, aus der dortigen Aufzuchsttation kommt auch immer wieder neuer Nachwuchs. Von März bis Ende November ist Lauenburger mit einem halben Dutzend Kollegen im gesamten Bundesgebiet unterwegs, um die Tiere zu präsentieren, "ohne Effekthascherei und Sensationslust", wie sie versichern. "Wir wollen mit unserer Ausstellung einen hohen schulischen Nutzen und wissenschaftlichen Aspekt erzielen", sagt Lauenburgers Kollege Alfons Hein. Rechnen muss sich die ganze Sache aber auch: "Bei rund 500 Besuchern haben wir die Kosten wieder drin."
Hannes interessieren solche Zahlen nicht, der Sechsjährige schaut sich lieber Leguan Leonie aus der Nähe an, streichelt sie sogar. "Das fühlt sich ganz trocken an", sagt er fasziniert und mit großen Augen. Gleichzeitig lernt er auch etwas über die Tiere. Dass sie gerne Blattsalat, Gurken und auch mal Bananen essen zum Beispiel.
In den mehrmals täglich stattfindenden Präsentationen für das Publikum hat Mathilda eine Hauptrolle. Der 13-jährige Malon kümmert sich um die Vogelspinne und zeigt sie auch in Lüneburg aus nächster Nähe. Derweil erfahren die vielen jungen Besucher mehr über ihre enormen Fähigkeiten. Etwa, dass bei ihr nach einer Häutung abgerissene Gliedmaßen plötzlich wieder da sind.
Sieben Euro Eintritt kostete die Reise in "Die faszinierende Welt der Spinnen", sechs Euro für Kinder. Aus Sicht von Esra hat sich diese Investition allemal gelohnt: "Die Schlange war nur ein bisschen schlimm. Mein Herz hat ganz doll geschlagen, aber sie war ganz lieb."
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